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Was sich durch Corona auf Station verändert hat

Prof. Dr. Bernd Griewing, Vorstand der RHÖN-KLINIKUM AG, hat in einem Interview betont, dass der Klinikalltag in Zeiten von COVID-19 in allen Facetten ein anderer sei – auch auf den Stationen. Daher soll ein Blick in die Praxis geworfen werden: Wie nehmen die Stationen die speziellen Zeiten der Corona-Pandemie wahr, was hat sich bei ihnen verändert und was können sie für die Zukunft mitnehmen?
 

STATIONSLEITUNG – »Leute, wir können das!«

Für die Pflegekräfte ist es nichts neues, infektiöse Patienten zu behandeln. Wie man damit umgeht – die Patienten richtig isoliert, sich ausreichend desinfiziert oder Schutzkleidung an- und auszieht –, wissen sie alle. Aber mit Corona haben die Pfleger etwas beobachtet: Die dauernden neuen Verfahrensanweisungen und Hygienevorschriften haben vieles verändert. 

>> Da musste ich zwischendurch auch mal sagen: »Leute, wir machen das jeden Tag, wir können das!« Danach funktionierte es dann auch immer reibungslos, denn wir sind ein sehr starkes Team – das hat Corona nochmal gezeigt. <<

Eva Zulauf, Stationsleitung auf der Intensivstation für Pneumologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg

In der Corona-Krise mussten die Pfleger außerdem ihre Arbeitsabläufe komplett umstellen und Automatismen überdenken. Normalerweise können sie bei den Patienten schnell ein und ausgehen und zwischen den Räumen wechseln. Das ging jetzt mit den Schutzvorkehrungen plötzlich nicht mehr. Vielmehr ist es wichtig, sich immer genau zu überlegen: Was muss ich gleich alles machen? Was brauche ich dafür? Diese Reflexion über die Routinen war laut den Pflegern anstrengend, aber auch sehr hilfreich. Denn tatsächlich wurden Arbeitsabläufe so zum Teil effektiver. Auch die Absprache untereinander und mit den Ärzten hat sich durch Corona intensiviert. â€žDiese Erfahrungen werden wir auf jeden Fall aus den letzten Wochen mitnehmen und wir werden versuchen, sie für unsere zukünftige Arbeit zu nutzen“, sagt Eva Zulauf, Stationsleitung auf der Intensivstation für Pneumologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.


PFLEGE – Ein »Weiter so« gibt´s nicht!

Als Chance, nicht als Krise: So sieht Christiane Jähnert, Pflegedirektorin der Zentralklinik Bad Berka, die Corona-Pandemie.

>> Ein »Weiter so« gibt es nicht. Wir wollen die positiven Aspekte aus den Erfahrungen der letzten Wochen betonen und alles in allem gab es davon sehr viele. Insbesondere im Hinblick auf Teamgeist, Neudenken, Spontanität und Kompromissbereitschaft. <<

Christiane Jähnert, Pflegedirektorin der Zentralklinik Bad Berka

Im Frühjahr trommelte sie und ihr Team in nur anderthalb Wochen einsatzbereites Pflegepersonal für zwei komplett neu geschaffene Corona-Stationen – eine Intensivstation und eine Notaufnahme – zusammen. Dafür wurden Pfleger von ihren regulären Stationen abgezogen, weitergebildet und auf die neuen Stationen verteilt. â€žWir hatten unseren Betrieb um 30 Prozent runtergefahren, um Kapazitäten für Corona-Patienten zu schaffen. So konnten wir das Personal entsprechend umverteilen“, erklärt Jähnert. Dennoch war es ein Kraftakt, immer genügend Personal für die Patientenversorgung zu haben.


NOTAUFNAHME – »Die Aggressivität dieses Virus hat mich überrascht!«

>> Eben kann mein Patient noch mit mir reden, dann verstirbt er innerhalb von einer Stunde an Lungenversagen. Dass sich ein Zustand so schnell so extrem und unvorhersehbar verändert, habe ich in 20 Jahren als Notfallmediziner selten erlebt – bis Corona. <<

Privatdozent Dr. Christian Hohenstein, Chefarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums an der Zentralklinik Bad Berka

Die Aggressivität dieses Virus hat Dr. Christian Hohenstein, Chefarzt des Interdisziplinären Notfallzentrums an der Zentralklinik Bad Berka, überrascht. Und er habe noch etwas unterschätzt: wie stark die Arbeit mit den Corona-Patienten ihn – und auch andere Kollegen – belastet. Dass man sich selbst als Arzt bei der Behandlung in Lebensgefahr bringt, ist eine neue Situation, mit der man umzugehen erst mal lernen musste.

Für Corona wurde außerdem das Notfallzentrum an der Zentralklinik Bad Berka räumlich erweitert: Eine geplante ambulante Tagesklinik wurde spontan in eine Corona-Notaufnahme umfunktioniert. Das Personal wurde aufgestockt. „Umstrukturierungen, die wir gerne beibehalten wollen – und wahrscheinlich auch werden“, sagt Hohenstein. In der Notaufnahme waren zwar nur wenige Corona-Patienten, dennoch bestand mehr Arbeitsaufwand durch das Einhalten der Sicherheitsvorkehrungen und des Hygienekonzepts.


INTENSIVMEDIZIN – »Eine Krankheit hat keine positive Seite!«

Zwei Paar Handschuhe, Kittel, Mundschutz, Visier – bevor die Ärzte oder Pfleger überhaupt das Zimmer eines Corona-Patienten betreten konnten, waren sie erst mal minutenlang damit beschäftigt, die nötige Schutzkleidung anzulegen. Dann ist es warm im Raum, man schwitzt unter den vielen Schichten, alle paar Stunden muss der Patient aufgrund der Schwere der pulmonalen Erkrankung mit großer Vorsicht vom Bauch auf den Rücken gedreht werden und zurück. Dr. Valentin Irimie, Oberarzt auf der neurologischen Intensivstation am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt, blickt auf die beispiellose Zeiten zu Beginn der Corona-Pandemie zurück:

>> Die Corona-Patienten zu behandeln, bedeutete für uns schon erheblich mehr Aufwand und Anstrengung. Aber wir haben das alle für selbstverständlich genommen. Uns war bewusst: Wir stehen hier an der vordersten Front. <<

Dr. Valentin Irimie, Oberarzt auf der neurologischen Intensivstation am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt

Sein Denken als Intensivmediziner habe Corona nicht geändert, wohl aber das als Mensch: „Die schweren Verläufe bei manchen Corona-Patienten zu sehen, hat mich für die Gefahr sensibilisiert, die von Corona ausgeht. Ich trage meine Maske auch privat sehr konsequent und achte penibel auf die Schutzmaßnahmen.“


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