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Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) | 16.11.2020

Schwerpunkt Gastroenterologie am Uniklinikum Gießen zu COVID-19 und Lebererkrankungen

Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Mediziner daran, Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu analysieren, Risikogruppen zu definieren, wirksame Medikamente zu entwickeln und einen Impfstoff zu finden. Experten der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen geben Empfehlungen zur Patientenversorgung. Auch in der Hepatologie stellt man sich den neuen Herausforderungen. Der Schwerpunkt Gastroenterologie des Gießener Universitätsklinikums unter der Leitung von Prof. Dr. Elke Roeb und die Deutsche Leberstiftung setzen mit dem Motto: „Check-up für die Leber“ das Testen und Untersuchen ganz oben auf die Agenda. Im Vorfeld des Lebertages am 20. November informieren sie zu COVID-19 und Lebererkrankungen sowie zu möglichen neuen Leber-Risiken durch einen veränderten Lebensstil während der Corona-Pandemie.

„Die Corona-Virus-Pandemie hat das deutsche Gesundheitssystem, Ärzte und Patienten in den vergangenen Wochen vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt. Aktuell existieren noch wenige Daten über die Wechselwirkungen einer bereits bestehenden Lebererkrankung und den Verlauf einer Infektion mit dem Coronavirus – viele Fragen sind derzeit noch ungeklärt“, so Professor Dr. Elke Roeb, Leiterin der Gastroenterologie am UKGM und der Justus-Liebig-Universität Gießen, und ergänzt: „Sowohl die Bundesregierung als auch das Robert Koch-Institut zählen Menschen mit einer chronischen Lebererkrankung zur Gruppe der COVID-19-Risikopatienten für schwere Verläufe. Zirrhosepatienten haben ein sehr hohes Risiko von Lungen- aber auch Leberkomplikationen. Lebertransplantierte sind durch die medikamentöse Immunsuppression in höherem Maße infektionsanfällig. Diese Personengruppen sollten unbedingt die aktuellen Empfehlungen zur Infektionsprophylaxe konsequent einhalten.“

Um eine angemessene Versorgung von Patienten mit chronischer Lebererkrankung auch während der Coronavirus-Pandemie zu gewährleisten, haben die EASL (Europäische Lebergesellschaft) und die ESCMID (Europäische Gesellschaft für Infektiologie) ein Positionspapier erarbeitet. Es enthält Empfehlungen für Ärzte, die Patienten mit chronischen Leberkrankheiten behandeln. Außerdem beinhaltet das Positionspapier einen Algorithmus für die Priorisierung der Versorgung von Patienten mit einer chronischen Lebererkrankung und einen Überblick über die aktuellen Behandlungsmöglichkeiten, um Ärzte bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die von der Deutschen Leberstiftung herausgegebene deutsche Übersetzung des Positionspapiers steht als PDF-Download auf der Website der Deutschen Leberstiftung unter www.deutsche-leberstiftung.de zur Verfügung. Aufgrund der Dynamik der Covid-19-Pandemie wird es regelmäßige Überarbeitungen des Positionspapiers geben. Eine aktualisierte Version ist unter https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2589555920301038?via%3Dihub abrufbar. Weitere aktualisierte Informationen zu COVID-19 und Lebererkrankungen sowie Links und Anlaufstellen sind auf der Website der Deutschen Leberhilfe e. V. abrufbar: www.leberhilfe.org/coronavirus/.

Neben dem erhöhten Risiko-Potenzial, das eine Infektion mit dem Coronavirus für Menschen mit Lebererkrankungen darstellen kann, sehen Leberexperten eine neue Gefahr im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie für die Lebergesundheit. Es wird ein möglicher Anstieg von Lebererkrankungen durch die veränderten Lebensbedingungen in der Corona-Pandemie befürchtet: „Umfrageergebnisse bestätigen einen Trend in der Coronavirus-Krise zu weniger Bewegung, einem gesteigertem Medienkonsum und vermehrtem Verzehr von ungesunden Lebensmitteln. Es ist davon auszugehen, dass Erkrankungen wie das metabolische Syndrom, das gekennzeichnet ist durch das gemeinsame Auftreten von Krankheitsbildern wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen, Adipositas sowie Beschwerden des Bewegungsapparates ansteigen werden“, warnt Professorin Roeb. „Schon vor der Coronavirus-Krise waren diese Erkrankungen immer öfter die Ursache für die Entstehung und Manifestation einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD und NASH). In Deutschland ist jeder vierte Bundesbürger über 40 Jahre bereits davon betroffen und jedes dritte übergewichtige Kind leidet an dieser Krankheit. Deswegen möchte ich darauf hinweisen, dass trotz eingeschränkter Sportangebote Bewegung unbedingt in den Tagesablauf integriert werden sollte. Ob Joggen, Online-Sportübungen oder ein Spaziergang, jede Art von Aktivität tut dem Körper und auch der Psyche gut.“

Mit dem Aufruf „Check-up für die Leber“ erinnert der 21. Deutsche Lebertag an das lebenswichtige Organ Leber und die Wichtigkeit, den Gesundheitsstatus kontrollieren zu lassen. Auch unter den Bedingungen einer auf unabsehbare Zeit bestehenden Pandemie-Situation, an die sich unser Gesundheitssystem angepasst hat, bleiben Vorsorgeuntersuchungen ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Elke Roeb
Schwerpunkt Gastroenterologie
Universitätsklinikum Gießen
Klinikstr. 33
35392 Gießen


Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) mit seinen 86 Kliniken und Instituten an den beiden Standorten Gießen und Marburg ist das drittgrößte Universitätsklinikum Deutschlands. Seit Februar 2006 trägt die RHÖN-KLINIKUM AG zu 95 Prozent die Verantwortung als Betreiber dieses ersten privatisierten Universitätsklinikums in der bundesdeutschen Geschichte und hat seitdem über 680 Millionen Euro an Eigenmitteln dort investiert. Die 10.900 Beschäftigten versorgen jährlich rund um die Uhr über 96.000 stationäre und 401.000 ambulante, sprich insgesamt 497.000 Patienten. In Gießen und Marburg stehen 2.330 Betten und 57 Operationssäle für modernste Diagnostik und umfassende Therapie und Behandlung auf internationalem Niveau zur Verfügung. Mehr zu uns finden Sie im Internet unter www.ukgm.de und www.ukgm.info

Kontakt:
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM)
Frank Steibli
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
T. +49 641 985-51020 | frank.steibli(at)uk-gm.de

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