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RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt | 18.03.2019

Ein Blick zurück nach vorne: Notfallmedizin gestern, heute und morgen

Mehr als 600 Teilnehmer beim 15. Notfallmedizinischen Forum am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt

18.03.2019 – Weit mehr als 600 Ärzte, Notfallmediziner und Rettungsdienstmitarbeiter aus ganz Deutschland trafen sich am Wochenende zum 15. Notfallmedizinischen Forum am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. Passend zum Jubiläum lautete das Leitthema in diesem Jahr „Ein Blick zurück nach vorne“. Die Teilnehmer resümierten die notfallmedizinische Entwicklung und wagten daraus einen Ausblick in die Zukunft. Zahlreiche Vorträge, Workshops und die alljährlich mit Spannung erwartete Praxisdemonstration setzten sich außerdem mit zentralen Fragen der gegenwärtigen notfallmedizinischen Versorgung auseinander.

Bilanz zur notfallmedizinischen Entwicklung
In verschiedenen Vorträgen beleuchteten renommierte Experten die Entwicklungen der Notfallmedizin in den vergangenen Jahren. So zeigte unter anderem  Prof. Dr. Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuzes, sowohl positive Errungenschaften wie die weltweit akzeptierte hohe Qualität des deutschen Rettungsdienstes, als auch Fehlentwicklungen und Herausforderungen auf. Dazu zählen der grundsätzliche Mangel an Notärzten, knappe Aufnahmekapazitäten in den Krankenhäusern sowie die zunehmende Tendenz, den fehlenden Hausarzt durch den Notarzt zu ersetzen.

„Nicht nur in ländlichen Bereichen, sondern auch in Ballungsgebieten gibt es immer weniger Notärzte“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Michael Dinkel, Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt und Veranstalter des Notfallmedizinischen Forums. „30 bis 40 Prozent der Notarztstandorte haben dauerhafte Besetzungsprobleme.“ Die Gründe hierfür reichen von mangelnder Attraktivität des Standortes  über eine veränderte Einsatzbereitschaft der sogenannten „Generation Y“ als Notärzte bis hin zu mangelnden Kenntnissen über die Qualifikation und Aufgaben eines Notarztes in Fachkreisen und der Öffentlichkeit. Deshalb fordert der Experte mehr Respekt und Wertschätzung für diesen wichtigen Aufgabenbereich: „Erste Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen sollten in der Schule wie Lesen und Schreiben gelehrt werden, um die Bedeutung und den Respekt vor der Notfallversorgung frühzeitig im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern“, so Dinkel. Außerdem könnten dadurch mehr als 4.000 Menschleben in Deutschland pro Jahr gerettet werden.

Eindrucksvolle Praxisdemo
Immer wieder geschehen bei Holzarbeiten schlimme Unfälle. „Rund 5.000 Waldunfälle ereignen sich jährlich, mehr als 30 Patienten versterben dabei“, weiß Dinkel. Worauf es bei der Versorgung solcher Notfälle ankommt und wie das Zusammenspiel aller Beteiligten funktionieren muss, zeigten rund 50 Rettungskräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei und Bayerischem Roten Kreuz sowie ein Notarzt bei einer spektakulären Praxisdemonstration. Sie versorgten einen vom Baumstamm eingeklemmten Waldarbeiter. Dabei spielten sie von der Alarmierung des Notfalls über die Unfallortsuche – die sich gerade im unwegsamen Gelände oftmals problematisch gestaltet – bis hin zur aufwändigen Rettung und dem Transport in ein geeignetes Krankenhaus den gesamten Ablauf durch.

„Die medizinische Herausforderung liegt darin, dass die Patienten oft sehr schwer verletzt sind, blutende Wunden haben, schnell auskühlen und eine rasche Rettung und Stabilisierung benötigen“, erklärt Dinkel. Das Fazit: Waldarbeit sollte grundsätzlich nie alleine durchgeführt werden. Die Arbeiter müssen Gefahren und Risiken kennen, notwendige Sicherheitsausrüstung tragen, Vorsichtsmaßnahmen anwenden können und das richtige Verhalten beim Waldunfall beherrschen.

Die beeindruckende Vorführung ließ sich auch der Bayerische Staatssekretär im Innenministerium, Gerhard Eck, nicht entgehen. Er betonte in seiner Ansprache nicht nur die grundsätzlich hohe Bedeutung des Rettungs- und Notarztdienstes, sondern ging auch auf den Waldunfall im Speziellen ein. Im Auftrag seines Ministeriums werden  derzeit – unter anderem im Landkreis Schweinfurt – spezielle Warneinrichtungen getestet, welche die hohe Zahl von Wildunfällen reduzieren sollen.

Mutter und Kind im Fokus
Erfreulicherweise ereignen sich rund um die Geburt und bei Kindern nur selten schwerwiegende Notfälle. Treten sie jedoch auf, müssen die Experten schnell und zielgerichtet handeln. Um den Notfallmedizinern Unsicherheiten zu nehmen, zeigten erfahrene Kliniker, wie man im Notfall strukturiert vorgeht und kühlen Kopf bewahrt. In Workshops konnten die Mediziner außerdem am Simulator die Neugeborenenversorgung und Säuglingsreanimation üben. 

Kontroverse Themen diskutiert
Ein neues Format bereicherte in diesem Jahr das Notfallmedizinische Forum. Unter dem Motto „kurz und bündig“ stellten Experten den Sachstand zu umstrittenen Themen der Notfallmedizin dar. So wurden zum Beispiel die Frage, ob zu viel Sauerstoff schädlich sein kann oder ob es die Aufgabe des Notarztes ist, Prüfungen auf  Haftfähigkeit durchzuführen, rege diskutiert.

Doch auch altbewährte Formate wurden weitergeführt. So stellten für viele Teilnehmer der Veranstaltung die authentischen Fallberichte das Highlight der Veranstaltung dar. Sie zeigten auf, was es in verschiedenen Notfallsituationen zu beachten gilt und wie sich typische Fehler vermeiden lassen.

Die Organisatoren freuten sich über die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer. „Das Notfallmedizinische Forum hat sich inzwischen als feste Größe etabliert“, bestätigt auch Prof. Dr. Bernd Griewing, Vorstand Medizin der RHÖN-KLINIKUM AG, „Wir leisten mit der Veranstaltung einen wichtigen Beitrag zur Fortbildung von Notfallmedizinern und Rettungskräften und bieten ihnen eine Plattform für einen fachlichen und kollegialen Austausch.“

 

Pressekontakt
Daniela Kalb
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
RHÖN-KLINIKUM AG
Campus Bad Neustadt
Tel.: 09771 66-26100
E-Mail: kommunikation(at)campus-nes.de

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