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Private Mondlandungen

Große Erwartungen, Angst, höchste Konzentration - und Stolz. Es gleicht jedes Mal einer kleinen Mondlandung, wenn ein Patient seine ersten Erfahrungen mit dem Gehroboter im Querschnittgelähmten-Zentrum der Zentralklinik Bad Berka macht. Doch während Neil Armstrong bei seiner Mondlandung sagte, es sei ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger für die Menschheit, ist es in Bad Berka umgekehrt:

Von der Weltgeschichte unbemerkt, vollbringen Patienten im Querschnittgelähmten-Zentrum Bad Berka so manchen großen Schritt in ihrem Leben. Der Gehroboter, mit dem hier gearbeitet wird, ist ein sogenanntes Exoskelett. Die Orthese, die wie ein Korsett umgeschnallt wird, liefert eine vorab definierte Unterstützung beim Gehen - zu etwa 100 Prozent bei komplett Gelähmten, weniger bei inkomplett Gelähmten.

Gehroboter hilft Patienten bei der Bewältigung des Alltags

"Unser Gehroboter kann vielen Querschnittgelähmten helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen und selbstständiger zu werden ", sagt Chefärztin Dr. Ines Kurze. "Allerdings vollbringt er keine Wunder." Wilhelm Pöhlmann erwartet gar kein Wunder. Der 64-Jährige möchte mit Hilfe der Therapie, die acht bis zwölf Wochen dauert, seine Beine wieder nutzen und irgendwann selbstständig gehen können. Vor drei Jahren hat er zwar seinen Krebs besiegt. Doch weil sich die Krankheit aufs Rückenmark ausgewirkt hat, sitzt er seither im Rollstuhl. Dabei liebt er es, sich zu bewegen. Bis zu seiner Krebserkrankung war er Hobbytänzer. Im Fitnessraum des Querschnittgelähmten-Zentrums übt Pöhlmann regelmäßig mit dem Gehroboter. Schwarze Stangen mit Gelenken und gepolsterten Schnallen liegen dann rund um seine Hüfte und an beiden Beinen an. Auf dem Rücken trägt er den kleinen Computer, der mit dem Exoskelett verbunden ist. Sensoren speisen den Computer 500 Mal in der Sekunde mit Daten. Schließlich soll der Roboter nur genau so viel Unterstützung geben, wie Pöhlmann noch nicht aus eigener Kraft für den nächsten Schritt aufbringen kann.


Therapie mit Gehroboter und Analytik in Deutschland bisher einmalig

Pöhlmann nutzt auch ein weiteres Hightechgerät, das speziell auf das Exoskelett zugeschnittene Laufband, die jüngste Investition des Therapiezentrums. Mit Seilen gesichert, muss er einen Parcours begehen und dabei ständig sein Gewicht verlagern. Ein großer Bildschirm zeigt die Aufgaben, das Laufband speichert jede kleinste Bewegung, die ein Rechner direkt auswertet.

"So können wir erkennen, ob es Fehlbelastungen gibt. Diese Kombination von Therapie mit dem Gehroboter und Analytik durch das Laufband ist deutschlandweit bisher einmalig", erklärt Physiotherapeutin Bärbel Rose. Jede Therapie ist individuell. Dient sie bei einem Patienten dazu, Darm- und Blasenfunktionen zu verbessern, hilft sie anderen, Spastiken zu verringern. Dank der Mobilisierung können Patienten häufig Dosierungen verringern oder Medikamente ganz absetzen. "Allein die Situation, wenn ein Patient mit dem Skelett zum ersten Mal selbstständig steht, ist beeindruckend", sagt Chefärztin Kurze. "Da spüren wir regelrecht den Stolz in der Erkenntnis: Ich kann das!"


Zentralklinik Bad Berka GmbH

Robert-Koch-Allee
999437 Bad Berka
T. 036458 5-0
F. 036458 42180

www.zentralklinik.de

Weitere Informationen finden Sie auch in unserem RHÖN-Gesundheitsblog.