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Dem Virus dicht auf den Fersen

Intensivplätze schaffen, Notfallpläne erstellen, Forschung betreiben: Teams der RHÖN-KLINIKUM AG leisten in der Corona-Pandemie einen außergewöhnlichen Einsatz – und wissen von Tag zu Tag mehr über SARS-CoV-2.

 

2003 half er, das SARS-Virus zu identifizieren. 2009 entwickelte er mit anderen Forschern einen Impfstoff gegen die Schweinegrippe, 2014 einen gegen Ebola. Prof. Dr. Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Marburg, ist Spezialist für Infektionskrankheiten. Nicht verwunderlich, dass ihn das neuartige Coronavirus schon seit Anfang des Jahres beschäftigt. Im BSL4-Hochsicherheitslabor – eines von nur 40 weltweit – suchen er und sein Team mit Hochdruck nach einem Vakzin. Dabei nutzen sie Erkenntnisse aus der Forschung zu anderen SARS-Erregern. „Wir testen unseren Impfstoffkandidaten gerade an Tieren“, erklärt der Virologe in einem Interview. In vier bis fünf Monaten, so hofft er, könne er an Menschen erprobt werden.

ENGAGEMENT AN ALLEN STANDORTEN

Die RHÖN-KLINIKUM AG hat dem Coronavirus den Kampf angesagt. An allen fünf Standorten – Bad Neustadt, Bad Berka, Frankfurt (Oder) und am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) – bündeln Mitarbeiter ihre Kräfte: Versorgen Covid-19-Patienten, testen Verdachtsfälle, forschen zu Therapiemöglichkeiten, sorgen für genügend Schutzmaterial, versuchen Risikopatienten zu schützen und Neu-Infektionen zu vermeiden. Und gleichzeitig behandeln und therapieren sie Non-Covid-Patienten.

Über 400 Intensivplätze deutschlandweit konnte die RHÖN-KLINIKUM AG in kurzer Zeit für Corona-Patienten bereitstellen. In enger Abstimmung mit den Gesundheitsämtern, Landesregierungen sowie Rettungsdiensten und niedergelassenen Ärzten wurden Pandemiepläne erarbeitet, Isolationsstationen eingerichtet und Personal intensivmedizinisch weiter fortgebildet.
 

TV-Reportage
Zwischen Routine und Ausnahmezustand


Ärzte und Pfleger kämpfen am Uniklinikum Gießen um die Leben schwerkranker Covid-19-Patienten.
[Link: Hessischer Rundfunk]

https://www.hessenschau.de/gesellschaft/zwischen-routine-und-ausnahmezustand---auf-der-covid-19-station-in-giessen,corona-covid-19-station-100.html
https://www.rhoen-gesundheitsblog.de/impfstoffentwicklung/


Für Prof. Bernd Griewing, Vorstand Medizin der RHÖN-KLINIKUM AG, sind es beispiellose Zeiten: „Seit vielen Wochen zeigen unsere Mitarbeiter unter zum Teil schwierigsten Bedingungen vollen Einsatz. Teamgeist und Engagement sind mehr als außergewöhnlich, alle – ob Pflege- oder medizinisches Personal, aber auch die Teams in der Verwaltung – beweisen ein enormes Verantwortungsbewusstsein. Dafür möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Herzen danken.“

DAS VIRUS BESSER VERSTEHEN - GEFRAGTE EXPERTEN AM UKGM

Die Standorte Gießen und Marburg nehmen als Universitätskliniken im Wettlauf mit Corona eine besondere Rolle ein. Denn hier lernt man, SARS-CoV-2 zu verstehen, so wie Prof. Susanne Herold in der Abteilung für Infektiologie. Sie und ihr Team untersuchen schon seit Jahren Lungenversagen, die von Viren ausgelöst werden. Die Studie bezieht nun auch Corona-Patienten ein und könnte wichtige Erkenntnisse zur Therapie von Covid-19 liefern. Zudem betreut Herold eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierte Medikamentenstudie am UKGM. Wie viele Experten wurde sie so binnen kurzer Zeit zur öffentlichen Person. Von der Bundespressekonferenz bis „Anne Will“ – quer durch die deutsche Medienlandschaft stand Herold in den letzten Wochen Rede und Antwort zu Corona.

DIGITALISIERUNG IM KAMPF GEGEN DIE PANDEMIE

Nicht nur die Medizin, auch andere Disziplinen suchen Wege, um gegen das neuartige Virus vorzugehen. So entstanden vielversprechende Kooperationsprojekte wie die Web-App „Covid-Online“. Auf einem Online-Frageborgen können Bürger einschätzen, ob sie mit SARS-CoV-2 infiziert sind. Entwickelt hat die App ein interdisziplinäres Forscherteam der Philipps-Universität-Marburg unter der Leitung von Prof. Martin Hirsch, Professor für künstliche Intelligenz in der Medizin, und Prof. Bernhard Schieffer, Klinikleiter der Kardiologie am Universitätsklinikum Marburg.

 

>> Digitale Medizin wird uns helfen, dass Patienten ohne Umwege schneller die für sie richtige Behandlung erhalten. <<

Prof. Martin Hirsch
Professor für künstliche Intelligenz in der Medizin
Philipps-Universität Marburg

 

COVID-ONLINE [WEB-APP]

Eine einfache Erkältung oder doch eine Infektion mit dem Coronavirus? Damit Patienten zu dieser Frage eine schnelle erste Einschätzung bekommen, hat ein Forscherteam der Philipps-Universität in Kooperation mit der Universitätsklinik Marburg die Web-App „Covid-Online“ entwickelt. In einem Online-Fragebogen wird hier die Wahrscheinlichkeit, sich mit SARS-CoV-2 angesteckt zu haben, mit wenigen Klicks ermittelt und direkt eine Handlungsempfehlung gegeben.

https://covid-online.de

 

Rund 700.000 Menschen haben „Covid-Online“ seit der Entwicklung Anfang April genutzt. Die App habe neben der besseren Ersteinschätzung einen weiteren entscheidenden Vorteil, sagt Schieffer: „Wir können frühzeitig sogenannte Corona-Hotspots identifizieren und darauf reagieren. Wir sind sicher, dass die App diejenigen Patienten identifiziert, die ein potentielles Risiko haben, eine schwere Erkrankung zu erleiden und diejenigen frühzeitig rausfiltert, die eine Covid-Infektion entwickeln.“

Das Ziel der App-Entwickler – aber auch der Virologen, Infektiologen, Intensivmediziner, Krankenhaushygieniker, Pfleger und allen anderen engagierten Mitarbeitern: dem Virus irgendwann einen Schritt voraus sein. Die drei Schlaglichter aus der RHÖN-KLINIKUM AG beweisen: Hier ist man ihm schon dicht auf den Fersen.

 

Interview
UKGM-Chef Prof. Werner Seeger über Corona

Gießener Allgemeine | 7. Mai 2020

https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/experte-corona-chronische-schaedigung-lunge-moeglich-zr-13751495.html