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RHÖN-KLINIKUM AG | 25.02.1998

Beitrag zur Versachlichung der Diskussion zum beabsichtigten Trägerwechsel beim Klinikum Suhl

Bisheriger Verhandlungsverlauf / Konzeptuelle Ansätze / Aspekte der Finanzierung / Berücksichtigung der Mitarbeiterinteressen / Zusammenfassung

Bad Neustadt a.d.Saale, 25. Februar 1998 --------- Als außerordentlich bedauerlich bezeichnet es Joachim Manz, Vorstandsmitglied der RHÖN-KLINIKUM AG, Bad Neustadt/Saale, zuständig für den Bereich Thüringen, daß die Diskussion um den Trägerwechsel beim Suhler Klinikum zu einer Posse "à la Schilda" auszuarten drohe, dabei unter dem Aspekt der Zukunftsorientierung nicht nur Patienten-, sondern auch langfristige Mitarbeiterinteressen und regionale Entwicklungschancen vernachlässigt und ernsthafte Übernahmebewerber unterschwellig diffamiert würden. Es werde hier ein wesentliches Stück Zukunftsfähigkeit in der Region verspielt. Man lege deshalb bei der RHÖN-KLINIKUM AG Wert darauf, die Diskussion anhand folgender Fakten auf eine sachliche Ebene zurückzuführen.

Bisheriger Verhandlungsverlauf

Zwischen Oktober 1996 und Frühjahr 1997 hat es mehrere Gespräche und einen intensiven Schriftwechsel zwischen dem Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit und der RHÖN-KLINIKUM AG zum Trägerwechsel des Klinikums Suhl gegeben. Ebenso fanden mehrfach Gespräche zwischen Konzernvertretern und der Verwaltungsleitung, den Chefärzten und dem Personalrat in Suhl statt. Hierbei wurde seitens des Klinikkonzerns immer wieder zum Angebot der RHÖN-KLINIKUM AG insgesamt wie auch zu einzelnen Aspekten des Angebots detailliert Auskunft gegeben. Während das globale Angebot zur Übernahme des Suhler Klinikums vom Grundsatz her im Zeitablauf unverändert blieb, wurden im Zuge der Verhandlungen - wie dies bei bilateralen Verhandlungen unter ordentlichen Geschäftsleuten üblich ist - einzelne Vertragspunkte und -ausprägungen aufgrund neuer Erkenntnisse konkretisiert. Seit März 1997 fanden direkte Verhandlungen mit dem Sozialministerium nicht mehr statt, allerdings gab es noch Schriftwechsel zur Fixierung spezifischer Angebotspunkte.

Dabei ging man bei der RHÖN-KLINIKUM AG davon aus, daß die Beantwortung detaillierter Fragen aus dem Sozialministrium der Entscheidungsfindung bei Wahrung der Chancengleichheit dienen sollte. Mit Erstaunen entnahm man den Presseberichten der letzten Tage, daß - ohne weitere Anhörung von Vertretern des RHÖN-KLINIKUM Konzerns - die Vertragsunterzeichnung mit einem Wettbewerber unmittelbar bevorstehe.

Konzeptuelle Ansätze

Die RHÖN-KLINIKUM AG und die mit ihr gemäß § 15ff AktG verbundenen Unternehmen verstehen sich als Dienstleistungsunternehmen, deren Existenz auf der ausgewogenen Leistungsbeziehung zwischen Patienten und dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern beruht. Der Patient ist Voraussetzung für den Betrieb des Krankenhauses; er hat im Rahmen des Versorgungsauftrages Anspruch auf optimale Versorgung bei qualitativ hochstehender Leistung, auf jederzeitige Leistungsbereitstellung und Leistungsverfügbarkeit für jedermann ohne Ansehen der Person.

Analog dazu hat die RHÖN-KLINIKUM AG immer wieder dargelegt, daß ihr Hauptinteresse in der Gewährleistung einer optimalen Krankenhausversorgung der Bevölkerung in Suhl unter Beachtung der berechtigten Interessen der Mitarbeiter liegt, und zwar in einer Weise, daß trotz sinkender Vergütung für die Krankenhausleistungen keine Rationierung der regionalen Krankenhausversorgung notwendig wird.

Der Klinikkonzern aus der Rhön hat angeboten, den Versorgungsauftrag des Suhler Klinikums voll zu übernehmen und den Krankenhausbetrieb wirtschaftlich zu führen.
Nach dem Konzept der RHÖN-KLINIKUM AG soll die derzeitige fachliche Ausrichtung des Suhler Klinikums beibehalten und um eine Neurologie ergänzt werden. Dabei soll diese Disziplin mit mehreren Fächern im Haus interdisziplinär zusammenwirken und eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung für Schlaganfälle (Stroke-Unit) einrichten, wie dies bereits in Meiningen erfolgreich praktiziert wird.

Die in der Vergangenheit von der RHÖN-KLINIKUM AG entwickelten fachlichen und medizinischen Ansätze beim Bau und Betrieb von Krankenhäusern haben gezeigt, daß der scheinbar unlösbare Zielkonflikt zwischen notwendigen Rationalisierungsmaßnahmen und der Optimierung der medizinischen Versorgung bei deutlicher Kostenreduktion überwunden werden kann.

Nach einer genauen Analyse für das Klinikum Suhl ist die Geschäftsleitung des Klinik-Konzerns aus der Rhön zu der Überzeugung gelangt, daß weder Umbau- noch Reparaturmaßnahmen hinreichend geeignet sind, Betriebsabläufe in der Form zu optimieren, daß eine leistungs- und wettbewerbsfähige Klinik und damit zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit ähnlichen Konzepten ist man in Bad Berka und Meiningen angetreten: In Bad Berka wurden - ohne jegliche Inanspruchnahme von Fördermitteln - 256 Mio DM investiert, die Mitarbeiterzahl stieg seit 1991 von ca. 700 auf heute 1.050. In Meiningen, wo von den dem Klinikum zustehenden 180 Mio DM an Fördermitteln nur 50 Mio DM in Anspruch genommen wurden, betrugen die bisherigen Investitionen 187 Mio DM; das Klinikum beschäftigte zum 31.01.1998 667 Mitarbeiter, nach 517 Mitarbeitern bei der Eröffnung im Jahr 1995.

Aspekte der Finanzierung

Die RHÖN-KLINIKUM AG hat dem Freistaat Thüringen eine Option zur Beteiligung in Höhe von 25 % an einer gemeinsamen Gesellschaft eingeräumt, die durch Sacheinlage mit einem Grundkapital in Höhe von 70 Mio DM ausgestattet werden soll. Die Kaufpreisermittlung für das Klinikum Suhl auf der Grundlage eines Gutachtens akzeptiert die Bad Neustädter Führungsspitze ohne Einschränkung. Macht der Freistaat Thüringen von der ihm eingeräumten Option Gebrauch, käme es zur Auszahlung von 75 % des durch den Gutachter ermittelten Kaufpreises; der auf die RHÖN-KLINIKUM AG entfallende Anteil am Eigenkapital in Höhe von 75 % (52,5 Mio DM) würde in bar eingelegt.

Die RHÖN-KLINIKUM AG hat angeboten, unverzüglich nach der Übernahme des Suhler Klinikums den Komplettneubau einzuleiten und damit die entscheidende Zukunftssicherung vorzunehmen. Das Investitionsvolumen wird pro Bett bei rund 350.000 DM und somit insgesamt bei ca 270 Mio DM liegen; auf Landesförderung in dreistelliger Millionenhöhe soll verzichtet werden. Wiederholt nachgewiesen hat die RHÖN-KLINIKUM AG, daß sie die Finanzierungslasten ohne Erhöhung der Pflegesätze - und damit nicht zu Lasten der Versichertengemeinschaft - erwirtschaftet.

Berücksichtigung der Mitarbeiterinteressen

Für den Fall der Übernahme des Klinikums Suhl hat die RHÖN-KLINIKUM AG von Anfang an die Personalübernahme nach § 613a BGB angeboten, das heißt, daß sämtliche Mitarbeiter übernommen werden. Aufgrund der erheblichen Investitionen werden die Arbeitsplätze im Gegensatz zu heute wettbewerbsfähig und erfüllen die Anforderungen der Zukunft.

Um den Besonderheiten vor Ort - auch im Interesse der Mitarbeiter - besser Rechnung tragen zu können, wird der Abschluß von Haustarifverträgen bevorzugt. Bis zum Abschluß derartiger Haustarifverträge gelten die bisherigen Tarifverträge; die Mitarbeiter sind folglich zu keiner Zeit ungesichert. Bezüglich der zu übernehmenden Altersversorgung nach dem Versorgungstarifvertrag wird davon ausgegangen, daß mit der Gewerkschaft ÖTV ein hauseigener Tarifvertrag über die Altersversorgung abgeschlossen wird.

Selbstverständlich setzt sich die RHÖN-KLINIKUM AG auch für die Fortführung bzw. den Neuabschluß des Lehrkrankenhausvertrages mit der Friedrich-Schiller-Universität, Jena, ein.

Bei den über 5.000 Mitarbeitern im Konzern werden Fluktuations- und Krankheitsquoten verzeichnet, die weit unter dem Durchschnitt der öffentlichen Krankenhäuser liegen. Die Konzernleitung wertet dies als Indiz, daß sich die Mitarbeiter in den Kliniken des Konzerns wohlfühlen. Die Beschäftigtenzahl hat sich in den letzten zehn Jahren verfünffacht; die Mitarbeiter sind an den Ergebnissen beteiligt.

Die RHÖN-KLINIKUM AG ist ein mitbestimmtes Unternehmen, d.h. im Aufsichtsrat sind von 12 Mitgliedern je 6 aus den Reihen der Konzern-Unternehmen und der Gewerkschaft ÖTV, davon zwei aus Thüringen; die Mitarbeiterinteressen des Klinikums Suhl wären auch im obersten Kontrollgremium des Konzerns qualifiziert vertreten.

Zusammenfassung

Die Konzeption der RHÖN-KLINIKUM AG für das Suhler Klinikum basiert auf langjährigen Erfahrungen im Akutkrankenhausbereich.

Es liegt im berechtigten Interesse der Bürger der Region Suhl, den Klinikstandort als überregionale medizinische Versorgungseinheit uneingeschränkt zu erhalten und unter Wahrung eines hohen Qualitätsstandards seine Wettbewerbsfähigkeit zukunftsorientiert zu erhöhen. Die RHÖN-KLINIKUM AG sichert zu, den vollständigen Versorgungsauftrag - gegebenfalls unter Ergänzung durch die Krankenhausplanung - zu übernehmen und fortzuführen. Es ist dabei nicht ihre Absicht, die kleineren und mittleren Krankenhäuser der Umgebung und damit die flächendeckende Versorgungsstruktur zu beschädigen. Die Konzernleitung hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß sie die flächendeckende Versorgung unter Wahrung höchster Qualität im Einzelfall als unabdingbare Voraussetzung unseres Versorgungssystems bewertet.

Unverständnis löst in der Konzernspitze das abstruse Argument aus, daß eine "Monopolstellung" der RHÖN-KLINIKUM AG in Thüringen verhindert werden müsse, da sich diese "verheerend" auf die Preisgestaltung gegenüber den Krankenkassen auswirken könne. Dagegen spricht die wirtschaftliche Betriebsführung der beiden Südthüringer Kliniken - in Bad Berka und Meiningen -, die es ermöglicht hat, daß 1997 den Krankenkassen ein Rabatt auf medizinische Leistungen gegeben werden konnte, der einer Summe von rd. 11 Mio DM entsprach. Für Meiningen bedeutet dies, daß unter Einrechnung aller betrieblichen Kosten - einschließlich der aus den Investitionen resultierenden Kosten - in 1997 ein durchschnittlicher Fallpreis von rd. 4.192 DM mit den Krankenkassen abgerechnet wurde. Diese Meininger-1997er-Ø-Fallpreise liegen um rd. 1.092 DM niedriger als der Thüringer Durchschnitt im Jahr 1996 in Höhe von 5.284 DM (Anm.: Die Ø-Thüringer-Fallpreise für 1997 liegen derzeit nicht vor; es ist zu vermuten, daß sie höher als im Jahre 1996 waren). Damit ist, wie Manz ausführte, mehr als bewiesen, daß die von politischen Kreisen genährte Befürchtung einer Belastung der Versichertengemeinschaft durch die RHÖN-KLINIKUM AG absolut unzutreffend ist. Auch ist die im Meininger Klinikum erreichte Auslastung von nahezu 100 % ersichtlich nicht Folge eines Monopols, sondern der Zufriedenheit der Patienten zuzuschreiben, die sehr wohl die freie Wahl aus einer Vielzahl von Häusern anderer Träger in erreichbarer Nähe von Meiningen haben.


RHÖN-KLINIKUM AG
Kontakt: Dr. Irmgard Stippler
Bereichsleiterin Unternehmenskommunikation
Schlossplatz 1
97616 Bad Neustadt/Saale
Telefon: (09771) 65-1321
Telefax: (09771) 65-1306
E-Mail: irmgard.stippler(at)rhoen-klinikum-ag.com