
Mit einigem Stolz blicken derzeit Ärzte und Pflegekräfte der Klinik für Molekulare Radiotherapie/Nuklearmedizin der Zentralklinik auf ein rundes "Jubiläum": Am 17. Jnuar 2012 behandelte das Bad Berkaer Expertenteam die inzwischen 1.000 Patientin mit einer "Radiorezeptortherapie".
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| Ilona Waeder im Kreis der Ärzte und Pflegekräfte der Nuklearmedizin der Zentralklinik Bad Berka. |
Patientin Ilona Waeder ist extra aus Norddeutschland nach Bad Berka gekommen, um sich der speziellen Therapie mit einem Radiopharmazeutikum zu unterziehen. Der Lehrerin aus der Nähe von Hamburg war die Zentralklinik Bad Berka von Ärzten der Uniklinik Hamburg empfohlen worden. Sie leidet an einem neuroendokrinen Tumor, einer relativ seltenen Krebsart, die aber zahlreiche Organe metastatisch befallen kann. Auf herkömmliche Chemotherapien sprechen diese Tumore nicht an, so dass in den vergangenen Jahren alternative Behandlungen entwickelt wurden. Besonders erfolgversprechend sind Radiopeptide bei den Patienten, deren Tumore eine bestimmte Art von Rezeptoren besitzen. Die radionuklidmarkierten Peptide werden in die Blutbahn injiziert und lagern sich dann spezifisch an den Krebsgeschwüren an und zerstören diese durch Betastrahlung.
Seit über zehn Jahren wird die Radiorezeptortherapie in Bad Berka erfolgreich eingesetzt. Chefarzt Professor Richard P. Baum gehört zu den Pionieren in der Nuklearmedizin und hat verschiedene Behandlungsformen selbst entwickelt und erforscht: "Wir haben im Jahr 1998 mit einem Patienten begonnen und behandeln in diesen Tagen die 1.000 Patientin. Inzwischen führen wird pro Jahr rund 500 Radiorezeptortherapien durch und sind damit das weltweit größte Zentrum zur nuklearmedizinischen Behandlung neuroendokriner Tumoren". Die Zahl der Patienten und Therapien ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Bisher wurden über 3.300 einzelne Behandlungen durchgeführt, da manche Patienten sich einer mehrfachen Therapie unterziehen müssen.
Die Station, auf der die Patienten behandelt werden, ist mit 22 Betten eine der größten Isotopentherapiestationen in Europa. Das Pflegeteam besteht aus speziell ausgebildeten Gesundheits- und Krankenpflegekräften, die alle eine besondere Fachkunde im Bereich des Strahlenschutzs absolviert haben müssen. Hinzu kommen weitere Fachausbildungen im Bereich der Ernährungsberatung und in der Schmerztherapie, um die Patienten im Rahmen eines interdisziplinären Therapiekonzepts optimal zu betreuen. Patientin Ilona Waeder erhält eine intravenöse Medikamentenlösung, die die "strahlenden" Peptide enthält. Danach muss sie für rund zwei Tage in ihrem Zimmer verbleiben, bis die Strahlung abgeklungen ist. In dieser Zeit darf das Pflegepersonal sich der Patientin nur relativ kurzzeitig nähern, um sich nicht selbst einer zu hohen Strahlung auszusetzen. Trotz dieser Isolation wird Ilona Waeder in diesen Tagen nicht allein sein, denn ihr stehen in ihrem Zimmer Fernseher, Internet und Telefon zur Verfügung, um die Verbindung zu ihrer Familie zu halten.
Chefarzt Professor Baum ist sehr zuversichtlich, auch Ilona Waeder helfen zu können: "Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie hat die Radiorezeptortherapie nur wenige Nebenwirkungen und verbessert die Lebensqualität der Patienten deutlich." Üblicherweise bleiben die Patienten fünf Tage auf der Therapiestation der Klinik für Molekulare Radiotherapie. Danach können sie die Zentralklinik wieder verlassen und stellen sich nach einigen Monaten wieder zur Kontrolle vor.