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Neue Diagnoseverfahren bei neuroendokrinen Tumoren
Die Diagnose von neuroendokrinen Tumoren (NET) beinhaltet die richtige und umfassende Erkenntnis über Art und Ausbreitung der Erkrankung. Gerade bei den seltenen neuroendokrinen Tumoren ist die richtige Diagnose das wichtigste Werkzeug um den weiteren Verlauf der Erkrankung günstig beeinflussen zu können oder eine Heilung herbeizuführen. Die Diagnose eines neuroendokrinen Tumors soll vor allem folgende Fragen beantworten:Wo sitzt der Ausgangstumor (Primärtumor oder Primarius) Die Ausdehnung des Tumors und eventueller Tochtergeschwülste wird üblicherweise in einem System festgehalten (TNM-System; wobei T die Ausdehnung des Primärtumors, N das Vorliegen von Lymphknotenmetastasen und M das Vorliegen von Fernmetastasen beschreibt) sowie in einer feingeweblichen Einteilung des Tumors nach Bösartigkeit, das Grading (betrifft die Wachstumsgeschwindigkeit und die Neigung Tochtergeschwülste zu bilden). Für die neuroendokrinen Tumoren ist ein eigenen TNM System in Arbeit und liegt für NETs des Magens, des Zwölffingerdarms und der Bauchspeicheldrüse vor. Das Grading erfolgt nach der sogen. WHO-Nomenklatur. Die Erfassung der Tumorausdehnung und Grad der Bösartigkeit wird auch als Staging bezeichnet. Da das richtige Staging von NETs die Therapie entscheidet und auch Prognosen über den Krankheitsverlauf zulässt, kommt den diagnostischen Verfahren bei NETs zusammen mit der Fachkompetenz der behandelnden Ärzte eine richtungsweisende und gelegentlich lebendsentscheidende Bedeutung zu. Die Standardverfahren zur Diagnose von NETs beinhalten sonographische Methoden, interventionelle oder chirurgische Probenentnahmen mit nachfolgender feingeweblicher Untersuchung (z.B. Endoskopie), nuklearmedizinische Verfahren wie die Octreotid-Szintigraphie (OctreoScan) und radiologische Methoden wie CT und MRT. Laborchemische Methoden, wie z.B. die Bestimmung von Chromogranin A und Serotonin als Tumormarker, wurden bereits in mehrfach in den letzten Ausgaben der Glandula-NET behandelt. Neue Diagnoseverfahren sollten gegenüber diesen verbreiteten und etablierten Methoden einen Vorteil aufweisen hinsichtlich der richtigen Tumorerkennung (Sensitivität) oder der genaueren Charakterisierung von nicht entartetem Gewebe (Spezifität). Weitere Vorteile können Schnelligkeit und Vollständigkeit (z.B. Ganzkörperuntersuchung) einer Untersuchungsmethode oder die verminderte Belastung der Patienten sein, was bei den langandauernden Verläufen der Erkrankung von besonderer Wichtigkeit ist. In den letzten Jahren wurden im Bereich der Sonographie und insbesondere in der Nuklearmedizin neue Techniken für die Diagnose von Tumorerkrankungen entwickelt, die auch für die genauere Diagnose der NETs eine zunehmend größere Rolle spielen. Neue Entwicklungen im Ultraschall Der transabdominelle Ultraschall ist eine einfache und wenig belastende Methode zur Diagnose von NETs und der Verlaufsbeurteilung. Die Genauigkeit der Methode hängt von der Lokalisation des Tumors, der Erfahrung des Untersuchers und der Qualität der Darstellung ab. Hochqualitative Geräte verfügen heutzutage über eine Reihe von Möglichkeiten, die Darstellung der Tumore zu verbessern. Einerseits können Verfahren die Abbildungsqualität und den Kontrast zwischen verschiedenen Körpergeweben verbessern (zum Beispiel durch „tissue harmonic imaging“ oder „spatial compound imaging“), zum anderen konnte die Darstellung des Blutflusses im Gewebe durch die Doppler-Technik weiter verbessert und verfeinert werden. Dadurch können versteckte Tumore besser erkannt werden und Raumforderungen besser auf die Durchblutung untersucht werden, die bei Tochtergeschwülsten von NETs meist verstärkt ist.
Neue Entwicklungen in der Nuklearmedizin Ultraschall und radiologische Verfahren wie CT und Kernspin stellen neuroendokrine Tumoren durch unterschiedliche Eigenschaften wie Dichte, Durchblutung oder Schallreflexion dar. Meist werden bestimmte Körperregionen zur Darstellung ausgewählt wie der Oberbauch bei der Abbildung von Lebermetastasen im CT oder Kernspintomogramm. Ein völlig anderes Prinzip kommt in der nuklearmedizinischen Diagnostik zur Anwendung. Hierbei werden NETs (aber auch andere Tumore) durch die verstärkte Aufnahme bzw. Bindung von speziellen, radioaktiv markierten Molekülen (sogenannten Peptiden), die an die Zelloberfläche binden, nachgewiesen („Schlüssel-Schloß-Prinzip“). Da die meisten NETs Somatostatin-Rezeptoren verstärkt exprimieren ist die Darstellung von NETs durch 111Indium- oder 99mTechnetium-markierte Somatostatinanaloga (Octreotid, Octreotid-Szinigraphie, OctreoScan) ein etabliertes Verfahren, um mit hoher Empfindlichkeit und Genauigkeit NETs darzustellen. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist die Erfassung und Darstellung des gesamten Körpers und der Nachweis zellulärer Funktionen, in diesem Fall die Exprimierung von Somatostatinrezeptoren auf der Zelloberfläche. Nicht alle NETs können mit einem Gallium-68-DOTA-NOC PET dargestellt werden. Daher wird intensiv nach weiteren Methoden gesucht um diese rund 20 % von neuroendokrinen Tumoren genauso gut abzubilden wie die Somatostatinrezeptor tragenden NETs. Das Peptid Bombesin, dessen Rezeptoren auf vielen verschiedenen Tumoren exprimiert werden, wird zur Zeit von unsere Arbeitsgruppe auf seine Eignung untersucht, im PET/CT für die Diagnostik von NETs eingesetzt zu werden. Weitere Peptide wie das Peptid GLP-1, dessen Rezeptoren vor allem auf Insulinomen exprimiert werden oder Minigastrin für die Diagnostik und möglicherweise Therapie von medullären Schilddrüsenkarzinomen, sind ebenfalls Kandidaten für eine verbesserte Darstellung aller NETs, denn schließlich hängt die exakte Planung einer Therapie von Patienten mit NETs vor allem von einem entscheidenden Schritt ab – einer möglichst genauen und präzisen Diagnose.
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