
„Ein moderneres Gerät gibt es zur Zeit nicht“, betont Dr. Wurm. Das neue System ermöglicht die hochpräzise Bestrahlung von gut- und bösartigen Tumoren am Gehirn, Rückenmark und im Kopf-Hals-Bereich sowie in anderen Teilen des Körpers wie der Wirbelsäule und Prostata. Es können auch Lungen- und Lebermetastasen behandelt werden, also tief im Körper sitzende Tumore, die bisher nur sehr schwer zu erreichen waren. Rund 14 Jahre arbeiteten Ärzte und Medizintechniker gemeinsam an der Entwicklung des Systems.
Präzise Strahlen ermöglichen die schonende Therapie
Das moderne Gerät ermöglicht es den Frankfurter Spezialisten je nach Indikation individuell für jeden Patienten die geeignete Strahlentherapieform auswählen, denn es verfügt über unterschiedliche Strahlenenergien von 6-15 Megaelektronen-Volt (MeV). Die Ärzte können also hohe Strahlendosen verabreichen, um auch tief liegende Tumore effektiv zu zerstören. So werden die Heilungschancen stark verbessert. Die Prozedur ist dabei für den Patienten absolut schmerzfrei. Außerdem wird das umliegende Gewebe kaum oder gar nicht betroffen. Selbst die zerklüfteten Ränder eines Tumors können von den Strahlen erfasst werden, ohne gesundes Gewebe allzu sehr zu schädigen, da bewegliche Lamellen den Strahlerkopf mit einer Genauigkeit von unter 0,5 Millimeter ausrichten können.
„Der Tumor muss immer an der gleichen Stelle getroffen werden“, erklärt Dr. Wurm, „deshalb ist es so wichtig, dass der Patient während der Bestrahlungen genau positioniert wird.“ Mit Hilfe von Computertomografie-Aufnahmen wissen die Ärzte, wo genau der Tumor sitzt, der bestrahlt werden soll. Durch Infrarotstrahlen kann man das Geschwür mit dem Novalis TX pixelgenau lokalisieren. Der Behandlungstisch, auf dem der Patient während der Bestrahlung liegt, kann dabei durch eine Art Ziehharmonika seitlich und in der Höhe verstellt werden. Auf diese Weise wird auch die kleinste Drehbewegung des Patienten computergesteuert ausgeglichen.
Patientenfreundlichkeit wird groß geschrieben
Eine robotergesteuerte Bestrahlung dauert meist nur wenige Sekunden oder Minuten. Doch die Einstellung und Positionierung des Gerätes ist langwieriger. Zunächst muss eine Medizinisch-technische Assistentin die Grobeinstellung vornehmen, dann übernimmt ein Computer die millimetergenaue Feinjustierung. Eine solche Zeitspanne kann kein Mensch völlig regungslos verharren, so Dr. Wurm.
Dieses Problem wurde bei der Entwicklung des neuen Systems gelöst. Früher mussten die Patienten während der Behandlung einen Metallring tragen, der am Kopf verschraubt wurde, um sie ruhig zu halten – eine unangenehme, aber bislang notwendige Prozedur. Heute wird in der Frankfurter Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie für die Patienten eine Gesichtsmaske aus einem Plastikgitter angefertigt. Da das Plastik in heißem Wasser weich wird, kann man das weiße Gitter individuell an das Gesicht oder die Körperpartie der Patienten anpassen und den Bestrahlungsapparat später mit Hilfe des Gitters millimetergenau einstellen. So landen die hochenergetischen Röntgenstrahlen genau dort, wo sie das erkrankte Gewebe zerstören sollen.
Überregionales Alleinstellungsmerkmal für eine bestmögliche Patientenversorgung
Durch die Schnelligkeit und Effektivität der neuen Therapie können künftig noch mehr Patienten in der Region Frankfurt (Oder) und darüber hinaus behandelt werden. Zusammen mit seiner bereits hochmodernen Computertomographie und Brachytherapie verfügt das Klinikum Frankfurt (Oder) damit über ein überregionales Alleinstellungsmerkmal in der Hochpräzisionsstrahlentherapie. Das bedeutet neue Hoffnung für Krebspatienten und ihre Angehörigen. Insgesamt arbeiten fünf Ärzte, drei Medizinphysiker und acht Medizinisch-technische Assistenten in der Klinik für Strahlentherapie/Radioonkologie in Frankfurt (Oder) gemeinsam an einem Ziel: einer bestmöglichen Versorgung ihrer Patienten.