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Vorstandsbrief
Garant unseres Erfolgs: Passgenaues Zusammenspiel zwischen Ökonomie und guter Medizin
Sehr geehrte Damen und Herren,

im vergangenen Geschäftsjahr haben wir unseren Wachstumskurs konsequent fortgesetzt und erneut unsere Expertise in der Entwicklung innovativer Geschäfts- und Finanzierungskonzepte sowie der Umstrukturierung übernommener Kliniken unter Beweis gestellt.

Nahezu alle wichtigen Leistungskennziffern des Konzerns liegen über den Vorjahresergebnissen: In 2007 konnten unsere 46 Krankenhäuser und 14 Medizinischen Versorgungszentren erstmals mehr als 1,5 Millionen Patienten behandeln. Dies entspricht einem Zuwachs von 10,8 % gegenüber dem Vorjahr. Bei den Umsatzerlösen konnten wir erstmals die Schallmauer von 2 Milliarden Euro durchbrechen. Damit stiegen die Umsatzerlöse von 1,93 Mrd € um 4,7 % auf 2,02 Mrd €. Der Konzerngewinn liegt bei 111 Mio € und konnte damit gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent gesteigert werden.

Eine genauere Betrachtung der Zahlen zeigt, dass die RHÖN-KLINIKUM AG ihre operative Leistungskraft erneut klar unter Beweis gestellt hat: Lässt man die steuerlichen Einmaleffekte in 2006 (19,1 Mio €) und in 2007 (9,9 Mio €) unberücksichtigt, stieg der bereinigte Konzerngewinn überproportional um 11,1 Mio. Euro auf 101,1 Mio € oder 12,3 %. Damit haben wir im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur die Sonderbelastungen aus Gesetzesänderungen und Tarifsteigerungen in Höhe von 39 Mio € vollständig kompensiert.

Mit der erfolgreichen Integration des Universitätsklinikums Gießen/Marburg in den Konzernverbund haben wir unsere Kernkompetenz demonstriert, Krankenhäuser auf allen Versorgungsstufen – von der Grund- und Regelversorgung über die Schwerpunktversorgung bis hin zur Maximalversorgung an Universitätskliniken – wirtschaftlich zu führen: Seit der Privatisierung steigen Zahl und Schweregrad der behandelten Patienten an, und erstmals wurden in Gießen/Marburg 2007 mit einem Gewinn in Höhe von 1,1 Mio € „schwarze Zahlen geschrieben“.

Wir haben auch im abgelaufenen Geschäftsjahr unsere Chancen zur qualitativen und quantitativen Leistungsausdehnung genutzt. Hierzu haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an allen Konzernstandorten mit Leistungsbereitschaft, Einsatzwillen und guter Zusammenarbeit maßgeblich beigetragen.

Die Rahmenbedingungen bleiben auch für das laufende Geschäftsjahr u.a. aufgrund gedeckelter Budgets erwartungsgemäß herausfordernd. Gleichwohl wollen wir auch in 2008 Umsatz, Ergebnis und Marktanteil ausbauen und so der Erfüllung unserer Vision – wohnortnahe, flächendeckende und bezahlbare Spitzenmedizin für jedermann – näher kommen.

Im 19. Geschäftsjahr seit unserem Börsengang 1989 haben wir Investitionen in Höhe von fast 260 Mio € – davon 183,5 Mio € aus Eigenmitteln – getätigt und dabei ein besonderes Augenmerk auf Bauvorhaben gelegt. Mit zahlreichen baulichen Maßnahmen – insbesondere in den seit 2004 akquirierten Kliniken – legen wir heute den Grundstein für das Wachstum von morgen. Im Dialog mit Architekten, Planungsbüros und Vertretern aller in den Kliniken vertretenen Berufsgruppen haben wir unsere Baustrategie weiterentwickelt. Entscheidend ist dabei, dass unsere Baukonzepte den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und den zunehmenden Erfordernissen einer verstärkten interdisziplinären Zusammenarbeit der Mediziner gerecht werden.

Durch Stärkung unserer Leistungsnetze wollen wir medizinische Kompetenz und Management Know-how an allen Standorten in hoher Qualität bereithalten. Der Zugang aller Kliniken zum Fachwissen im Konzern ist entscheidende Voraussetzung für eine sich selbst tragende Innovationsdynamik. Insbesondere durch die Stärkung der Kompetenz an der Schnittstelle zwischen Krankenversorgung und Wissenschaft ermöglichen wir die Teilhabe aller Kliniken am medizinischen Fortschritt.

Um Ihnen ein Bild von der regionalen Vielfalt und der Vernetzung zwischen einzelnen Standorten, zwischen Medizin und Management sowie zwischen medizinischen Fachgebieten innerhalb des Konzerns – aber auch mit konzernfremden Gesundheitsdienstleistern – zu geben, haben wir die interne und externe Zusammenarbeit zu einem Leitthema des diesjährigen Geschäftsberichts gemacht.

Der Startschuss für den Aufbau eines virtuellen Kliniknetzwerkes war ein wichtiger Meilenstein in 2007: Nach intensiver Aufbau- und Entwicklungsarbeit haben wir mit unserem Technologiepartner einen Vertrag zum Roll-Out der webbasierten elektronischen Patientenakte – kurz: WebEPA – abgeschlossen. Während vielerorts noch über das Für und Wider der elektronischen Gesundheitskarte debattiert wird, schaffen wir mit der WebEPA Realitäten.

Unsere Vision ist es, die WebEPA langfristig zum virtuellen Begleiter des Patienten durch das Gesundheitssystem zu entwickeln. Sie wird zum strategischen Instrument unserer Unternehmenspolitik und damit zum „medizinischen Zentralnervensystem des Konzerns“ in einer digitalisierten Welt.

Zu unserem Selbstverständnis gehört es auch, immer wieder aufs Neue Impulsgeber in der medizinischen Versorgung in Deutschland zu sein. Schon vor mehr als zehn Jahren haben wir beispielsweise am Herzzentrum Leipzig die weltweit erste roboterassistierte Herzoperation durchgeführt und damit wegweisende Trends in der Krankenversorgung gesetzt.

Jetzt wollen wir mit der Partikeltherapie neue Maßstäbe in der Krebsbehandlung setzen. Denn die Partikeltherapie stellt einen Quantensprung in der Tumortherapie dar und könnte künftig bislang unheilbare Krebsleiden schonend und zielsicher behandeln.

Nachdem die Planungsarbeiten für das Partikel-Therapie-Zentrum am Standort Marburg sehr zügig vorangetrieben wurden, konnten wir im Sommer 2007 mit dem Bau dieses medizinischen Hochleistungszentrums beginnen. Mittlerweile sind die ersten meterdicken Betonwände gegossen. In diesem Jahr wollen wir mit der Installation der technischen Systeme beginnen, um dann ab 2010 die ersten Patientenbehandlungen durchzuführen.

Derzeit werden die Weichen für den ordnungspolitischen Rahmen ab 2009 gestellt. Die Politik muss sich entscheiden, inwieweit sich die Sozialverwaltung zum Gesundheitsmarkt entwickelt. Im Dialog mit der Politik setzen wir uns für die Stärkung des Wettbewerbs und den Ausbau sektorübergreifender Versorgungsmodelle ein. 

Wir wollen eine flächendeckende, wohnortnahe und bezahlbare Spitzenmedizin für jedermann auch in Zukunft sichern. Es zeichnet sich klar ab, dass stationäre und ambulante Versorgung immer mehr zusammenwachsen. Darin sehen wir die Chance, den Anspruch „echter Patientenorientierung“ besser erfüllen zu können. Deswegen bauen wir unser Konzept der wohnortnahen Versorgung mit Medizinischen Versorgungszentren und Portal-Kliniken in Verbindung mit Einrichtungen der Schwerpunkt- und Maximalversorgung weiter aus. So stellen wir sicher, dass die Patienten dort behandelt werden, wo sie optimal versorgt werden.

Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in vielen Krankenhäusern gehen wir zudem davon aus, dass die Privatisierung von Kliniken künftig wieder zu einer echten und öfter wahrgenommenen Alternative wird. Wir als RHÖN-KLINIKUM AG stehen zu unserem Angebot an den Staat, noch mehr Verantwortung in der Krankenversorgung zu übernehmen. Wir sind zur Aufnahme weiterer Kliniken in unseren Verbund personell, organisatorisch und finanziell gut aufgestellt und haben die Weichen für weiteres externes Wachstum durch Akquisitionen auf allen Versorgungsstufen gestellt.

Der Gesamterfolg unseres Unternehmens setzt sich aus den Ergebnissen aller 46 Konzernkliniken zusammen. Basis für den Erfolg sind unsere qualifizierten und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für Ihre unermüdliche Leistungsbereitschaft möchte ich Ihnen im Namen des Vorstands an dieser Stelle unseren herzlichen Dank aussprechen.

Unser Dank richtet sich ebenso an unseren Aufsichtsrat, Beirat und an die Belegschaftsvertreter für ihre konstruktive Arbeit.

Nicht zuletzt gilt unser Dank Ihnen, unseren Aktionärinnen und Aktionären, für Ihr Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens und die Werthaltigkeit unserer Aktie.

Bad Neustadt/Saale, im April 2008

Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender


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