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Tumore des Überganges zwischen Speiseröhre und Magen (gastroösophagealer Übergang) - AEG - Tumoren – Kardia-Karzinom

Die bösartigen Tumoren des Überganges zwischen Speiseröhre und Magen haben in den letzten 30 Jahren an Häufigkeit stark zugenommen. Überwiegend sind Männer von dieser Krankheit betroffen. Der Altersgipfel liegt ungefähr im 60. Lebensjahr.

Einteilung

Den Bereich des oberen Magens und der unteren Speiseröhre unterteilt man in drei Abschnitte. Dabei wird ein Bereich von 5 cm oberhalb und unterhalb der Grenze zwischen beiden Organen, welcher auch als Kardia bezeichnet wird, dreigeteilt. Die drei Teile werden von oben nach unten als AEG I, AEG II und AEG III bezeichnet. Bösartige Geschwulsterkrankungen (also Krebserkrankungen) in diesem Bereich werden als AEG-Karzinome bezeichnet. Es entspricht hierbei Typ I einem Karzinom der unteren Speiseröhre, Typ II dem eigentlichen Kardiakarzinom und Typ III einem Karzinom des oberen Magenanteils. Einerseits werden heute Krebse in diesem Bereich als eigene Tumorentität verstanden, sind also nicht mit den typischen Karzinomen des Magens oder der Speiseröhre gleichzusetzen. Gleichzeitig ist aber auch zu bemerken, dass es sich, trotz aller Ähnlichkeiten innerhalb der drei AEG-Typen, bei den AEG-Karzinomen  um verschiedene Tumorsubgruppen mit unterschiedlichen Prognosefaktoren und Behandlungsstrategien handelt.

Ursachen

  • Refluxerkrankung mit Schleimhautumwandlung (Barrett-Metaplasie)
  • chronische Entzündung der Schleimhaut
  • Nikotin
  • Alkohol
  • genetische Faktoren
  • Überernährung / Übergewicht
  • Ernährungsformen (Nitrosamine in gepökelten Speisen)

Symptome

vor allem:

  • Schluckstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Regurgitation / Erbrechen

seltener:

  • Oberbauchschmerzen
  • Brustkorbschmerzen
  • Anorexie (Abmagerung)
  • Bluterbrechen
  • Aufstoßen
  • Anämie (Blutarmut)

Diagnostik

  • Endoskopie (Magenspiegelung) mit Entnahme von Gewebeproben
  • Endosonographie (innerer Ultraschall)
  • Laboruntersuchung / Tumormarker
  • Computertomographie / Röntgen
  • ggf. Magnetresonanztomographie
  • diagnostische Laparoskopie (Bauchhöhlenspiegelung zur Abklärung:
    1. des Ausmaßes der Erkrankung
    2. der Möglichkeit einer vollständigen Tumorentfernung
    3. einer ggf. vorliegenden Metastasierung ins Bauchfell (Peritonealkarzinose)
  • ggf. zusätzliche Untersuchungen bei Begleiterkrankungen

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Lage des Tumors, dem Tumorstadium, ggf. vorliegenden Begleiterkrankungen und, nicht zuletzt, nach dem Wunsch des Patienten. Generell besteht die Indikation zur operativen Entfernung des Tumors. Bis vor wenigen Jahren schien die alleinige Operation die Behandlungsmethode der Wahl bei potenziell komplett zu entfernenden Tumoren zu sein. Eine zusätzliche Therapie im Sinne einer Chemotherapie und/oder Bestrahlung hatte in Studien keine Vorteile für die Prognose der Patienten ergeben. Im Jahre 2005 aber wurden die abschließenden Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, welche die Wirksamkeit eines speziellen Behandlungsschemas bei Patienten mit potenziell operativ zu entfernenden Magen- und AEG-Karzinomen untersuchte (MAGIC-Trial). Das Behandlungsschema beinhaltete die chemotherapeutische Behandlung  vor einer und im Anschluss an eine Operation. Man nennt derartige Behandlungsschemata, welche eine Chemotherapie, eine Strahlentherapie oder beide Therapieformen sowohl im Vorfeld als auch im Anschluss an eine Operation vorsehen, neoadjuvante Therapie (im Gegensatz zur adjuvanten Therapie, welche die Zusatzbehandlung zur Operation nur im Anschluss an diese vorsieht). Hierbei zeigten sich signifikante Vorteile bezüglich der Entfernbarkeit des Tumors und der Prognose der Patienten. Daher ist die neoadjuvante Therapie bei Patienten mit Tumoren des Magens und des gastroösophagealen Überganges heute fest etabliert (ECF-Schema: Epirubicin, Cisplatin, 5-Fluorouracil). Der Fall eines jeden Patienten mit Magen- oder AEG-Karzinom wird in unserem Hause im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz diskutiert. An dieser nehmen neben Chirurgen und Internisten (Onkologen) unseres Klinikums auch Pathologen, Strahlentherapeuten und ambulant tätige Onkologen teil. Ziel dieser Konferenz ist es, für jeden Patienten, die für ihn bestmögliche Therapie im interdisziplinären Diskurs zu definieren und selbige ihm dann zukommen zu lassen.

Folgende Operationstechniken kommen zum Einsatz:

  • Entfernung des Magens und Schaffung einer Verbindung zwischen Dünndarm und Speiseröhre (z. B. bei AEG III-Tumoren)
  • zusätzlich: teilweise Entfernung der Speiseröhre (z.B. bei AEG II-Tumoren)
  • Entfernung der Speiseröhre bis zum Hals und Schaffung einer Verbindung zwischen Magen und Speiseröhrenrest bzw. Zwischenschalten eines Darmabschnittes (z. B. bei AEG I-Tumoren)

Sollte der Tumor in einem sehr frühen Stadium erkannt worden sein, reicht unter Umständen die endoskopische lokale Entfernung des Tumors aus. Ist der Tumor dagegen schon weit fortgeschritten, ist in palliativer Intention neben der begrenzten chirurgischen Therapie auch die Chemotherapie möglich.

Begleitbehandlung:

Wir bieten jedem Patienten mit Krebserkrankung eine psychologische Begleittherapie (psychoonkologische Behandlung) an. Die Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes kümmern sich um nahezu alle organisatorischen Belange:

  • Organisation einer Anschlussheilbehandlung (AHB)
  • Klärung der häuslichen Versorgung
  • Anträge für Pflegestufen
  • Betreuungsanträge u. v. m.

Eine Ernährungs- und Diätberatung erhält jeder Tumorpatient.

Prognose

Bösartige Tumorerkrankungen des gastroösophagealen Überganges haben generell eine schlechte Prognose. Ursache dafür ist u.a. die späte Diagnosestellung. Die Prognose ist stadienabhängig. Während bei sehr frühen Stadien eines Magen- oder AEG-Karzinoms die 5Jahres-Überlebensrate bei ca. 85 – 90 % liegt, fällt sie bei steigendem Tumorstadium sehr schnell ab. Bei Tumoren, die bereits das Bauchfell durchbrochen haben (T3), liegt sie bei ca. 20%; bei Tumoren, die in Nachbarorgane einbrechen (T4), liegt sie bei 0%. Hieraus ist ersichtlich, welche Bedeutung eine frühzeitige Diagnose für das Überleben der Patienten spielt. Leider wird die Diagnose erst bei Symptomen gestellt, welche der Patient verspürt und die ihn zu einer ärztlichen Vorstellung veranlassen. Symptome treten aber meist erst spät auf. Ein weiteres wichtiges negatives Prognosekriterium sind befallene Lymphknoten. Die Prognose ist durch eine vollständige Entfernung des Tumors günstig zu beeinflussen. Daher ist die vollständige Entfernung des Tumors auch oberstes Therapieziel.


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