|
Neurologische Klinik Bad Neustadt GmbH
Bad Neustadt a. d. Saale, 27. Juli 2011 ---- Telemedizin fördern und weiterentwickeln – dieses Ziel hat sich die Neurologische Klinik Bad Neustadt seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Unter anderem wurde hier die Idee des so genannten Stroke Angel etabliert, ein telemedizinisches Konzept im Rahmen der Schlaganfallversorgung, das die Schnittstelle von Rettungsdienst und Krankenhaus wesentlich verbessert und die Zeit bis zur Behandlung in der Klinik deutlich verkürzt. Kernstück ist hier eine spezielle Hard- und Software, die es dem Rettungsdienst ermöglicht, bereits am Notfallort wichtige Informationen über den Patienten per Funkverbindung an das Zielkrankenhaus zu übermitteln. So kann sich das Ärzte-/ Pflegeteam im Krankenhaus bereits vor Eintreffen des Rettungswagens optimal auf den Patienten vorbereiten. Aktuell beteiligt sich die Neurologische Klinik Bad Neustadt an zwei, auf nationaler und europäischer Ebene angesiedelten Verbund-Forschungsprojekten mit den Kurzbezeichnungen „INSPIRE“ und „MIRROR“. INSPIRE – Verbesserung der Versorgung von SchlaganfallpatientenDas überregionale Forschungsprojekt INSPIRE knüpft an die – inzwischen erfolgreich gelebte – Grundidee des Stroke Angel an. Wer heute einen Schlaganfall erleidet, durchläuft vom Rettungsdienst bis hin zur Nachsorge in der Regel eine lange Versorgungskette, an der zahlreiche unterschiedliche Stellen und Institutionen beteiligt sind. Das Problem: Diese arbeiten aufgrund der sektoralen Trennung weitgehend unabhängig voneinander, ein Informationsfluss ist nur eingeschränkt gegeben. Hier setzt INSPIRE an. Ziel ist, die Voraussetzungen für eine intensivierte Zusammenarbeit aller an der Schlaganfallversorgung beteiligten Partner zu schaffen und so für Schlaganfallpatienten eine integrierte Behandlungskette zu entwickeln. ForschungspartnerINSPIRE ist die handliche Abkürzung für den eigentlichen Projekttitel „Improving Service Productivity in Healthcare“ – die Qualität und Produktivität von Gesundheitsdienstleistungen IT-gestützt steigern und gestalten. Zu den Projektpartnern gehören neben der Neurologischen Klinik Bad Neustadt das Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe (FZI), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie der Bezirksverband Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (SDSH). Das Projekt ist vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Ziel„Mit INSPIRE gehen wir – ausgehend vom Stroke Angel – noch einen Schritt weiter und nehmen die gesamte Versorgung von Schlaganfallpatienten in den Blick“, so Prof. Dr. Bernd Griewing, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik Bad Neustadt. „Diese beginnt bei der notärztlichen Behandlung, geht über die akute und stationäre Versorgung im Krankenhaus, die Rehabilitation und Nachsorge bis hin zu einer pflegerischen Betreuung bzw. zum selbstbestimmten Leben im Alltag.“ Ziel ist es, die Zusammenarbeit und den Informationsfluss zwischen diesen einzelnen Institutionen herzustellen bzw. zu intensivieren. Hier setzt INSPIRE auf zwei Ebenen an: Entwickelt werden sollen zum einen Kooperationsprozesse zwischen den Institutionen; zum anderen die notwendige Software, auf deren Basis der Informationsaustausch vollzogen werden kann. Stroke Manager/inSo hat aktuell die neue Stroke Managerin ihre Tätigkeit an der Neurologischen Klinik Bad Neustadt aufgenommen. Über den Krankenhausaufenthalt hinaus hält sie telefonisch und über Hausbesuche den Kontakt mit den Patienten und unterstützt sie bei den organisatorischen Herausforderungen nach der Entlassung aus der Klinik. Dabei stellt sie eine Schnittstelle zwischen Klinik und nachklinischer Betreuung dar, ist Ansprechpartnerin in Bezug auf die häusliche Betreuung und vermittelt Kontakte mit ambulanten Akteuren (z.B. Pflegeheimen). WebEPAEin wichtiges Modul im Rahmen von INSPIRE ist die elektronische Patientenakte WebEPA, die im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt mit Beginn des kommenden Jahres in der Neurologischen Klinik eingeführt wird. Über die WebEPA werden unter Berücksichtigung sämtlicher datenschutzrechtlicher Anforderungen klinische Dokumente einrichtungsübergreifend zur Verfügung gestellt, um Diagnoseabläufe zu beschleunigen und ärztliche Entscheidungen auf eine fundiertere klinische Grundlage zu stellen. Bislang wird die WebEPA bereits in verschiedenen Kliniken der RHÖN-KLINIKUM AG eingesetzt; mit der Neurologischen Klinik wird die erste Klinik im Bereich Nordbayern eingebunden. Elektronische SturzmatteTeil von INSPIRE war auch eine erste Anwendungsstudie zum Einsatz so genannter Sensfloor-Sturzmatten, an der sich die Neurologische Klinik im Frühjahr 2011 beteiligte. Getestet wurde die Akzeptanz der Matte, die beispielsweise vor dem Bett sturzgefährdeter Patienten platziert wurde. Über Sensoren wird noch vor der eigentlichen Berührung Alarm ausgelöst, der Sturz kann so rechtzeitig verhindert werden. Die Zahl der Stürze wurde bei Einsatz der Matte nachweislich verringert. Diese Kenntnis hat zu der Entscheidung geführt, eine intensive Einjahres-Beobachtung durchzuführen, die in nächster Zeit starten soll. „Derartige Assistenzsysteme sind von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, den Patienten selbst, aber auch Hilfspersonen wie Angehörige oder Pfleger in ihren alltäglichen Handlungen bestmöglich zu unterstützen“, so Prof. Griewing. MIRROR – Technologien für einen lebenslangen LernprozessIm Juli geht das Forschungsprojekt MIRROR in sein zweites Projektjahr. Ziel von MIRROR ist die Entwicklung von Lerntechnologien, mit deren Hilfe das zum Beispiel auf Berufserfahrung beruhende, implizite Wissen von Mitarbeitern systematisch erfasst, aufbereitet und anschließend anderen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt wird. „Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels benötigen wir derartige Technologien, um zu verhindern, dass wertvolles Wissen verloren geht, wenn Mitarbeiter beispielsweise in den Ruhestand treten“, erläutert Prof. Griewing. „Die Neurologische Klinik Bad Neustadt fungiert bei diesem Forschungsprojekt als Anwendungspartner. Die Technologien, die für Unternehmen verschiedenster Sparten bedeutsam sind, werden hier im klinischen Umfeld – konkret im Bereich der Stroke Unit – erprobt.“ Zum Forschungskonsortium gehören insgesamt 15 Partner aus ganz Europa –Telekommunikationsunternehmen, Forschungsunternehmen und Anwendungspartner verschiedener Bereiche, darunter die Neurologische Klinik Bad Neustadt. Das Projekt ist von der Europäischen Union gefördert. Interaktives RollenspielEntwickelt wurde unter anderem ein Rollenspiel, in dem Pflegekräfte anhand realistischer Bilder in verschiedenen Problemsituationen die richtigen Reaktionen erlernen sollen. In einzelnen Szenen muss der Spieler die aus seiner Sicht geeignete Reaktionsvariante wählen. Die gewählten Antworten werden anschließend ausgewertet. Die zunächst 18 Spielszenen wurden von Pflegekräften selbst entwickelt. In einem nächsten Schritt soll die Anwendung so überarbeitet werden, dass sie kontinuierlich erweiterbar wird, dass also kontinuierlich neues ‚Wissen’ ergänzt und eingepflegt werden kann. EKG-StudieBei einer weiteren Anwendungsstudie an der Neurologischen Klinik wurde der Einsatz eines Brustgurts getestet, der im Laufe eines Arbeitstages die Herzfrequenz der teilnehmenden Mitarbeiter aufzeichnete. In Stresssituationen, beispielsweise aufgrund von Unsicherheit, wie in der betreffenden Situation richtig zu agieren sei, steigt die Herzfrequenz entsprechend an. Am Tagesende konnten diese Situationen im Team rekapituliert und systematisch analysiert werden, um auf diese Weise festzustellen, zu welchen Themen beispielsweise Schulungsbedarf besteht. „Im Rahmen von MIRROR testen wir als Anwendungspartner den Einsatz technologischer Lösungen, mit denen das Konzept des ‚lebenslangen Lernens’ am Arbeitsplatz in die Praxis umgesetzt wird“, erläutert Dominik Cavael, Projektleiter an der Neurologischen Klinik. „Das Ziel des Projekts ist, Mitarbeiter zu befähigen und zu ermutigen, am Arbeitsplatz die persönlichen Lernerfahrungen zu reflektieren, um in ‚Echtzeit’ zu lernen und drängende Probleme zeitnah lösen zu können.“ „Die Telemedizin ist eine Zukunftstechnologie, die eine nachhaltige Verbesserung der medizinischen Versorgung zum Ziel hat“, so Geschäftsführer Burkhard Bingel. „Die Neurologische Klinik sieht sich in der Verantwortung, sich an der telemedizinischen Entwicklung umfassend zu beteiligen. Dazu gehört, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen – etwa die nötige räumliche und technische Ausstattung zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören aber vor allem auch hochmotivierte Mitarbeiter, die sich für die Realisierung der umfangreichen Anwendungsstudien engagieren.“ Die RHÖN-KLINIKUM AG setzt bereits seit Jahren auf eine zunehmende Vernetzung ihrer Einrichtungen und eine strukturierte Arbeitsteilung der Ärzte im Klinikverbund unter anderem über die Telemedizin.
|