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Physiotherapie/ Krankengymnastik

Einzeltherapie
In der Physiotherapie (Einzel- und Gruppentherapie) werden gemeinsam mit dem Patienten individuelle Lösungsstrategien entwickelt mit dem Ziel, aktive Funktionen zu verbessern bzw. wiederzuerlangen. Auf der Grundlage einer differenzierten Befundaufnahme wird für jeden Patienten ein individueller Behandlungsplan festgelegt. Dabei kommen therapeutische Konzepte auf neurophysiologischer Grundlage ebenso zum Einsatz wie Techniken, die auf strukturelle Beeinträchtigungen eingehen:

Gruppentherapie
Ziele der Gruppentherapien sind das Festigen der aktuellen motorischen Funktionen sowie die Kontaktaufnahme der Patienten untereinander. Gerade in Gruppentherapien können therapeutische Übungen mit Spiel und Spaß verbunden werden, was das motorische Lernen zusätzlich unterstützt.
Die Gruppentherapien werden von Physiotherapeuten durchgeführt. Sie sind nach Therapieschwerpunkten und motorischen Anforderungen unterteilt:

Ausstattung der Abteilung
Es stehen großzügige, helle zentrale Räume für die Einzel- und Gruppentherapien sowie die Medizinische Trainingstherapie (MTT) zur Verfügung. Zusätzlich befinden sich auf den Stationen Therapieräume, die die Behandlung der Patienten direkt auf den stationären Ebenen ermöglichen. Moderne Therapiegeräte gehören zur Standardausstattung (u.a. Schlingentisch, Freistehbarren, Schwingextensor, Laufband mit der Möglichkeit der Gewichtsentlastung, Zugapparate, Medizinische Trainingsgeräte).

Die Therapiekonzepte im Einzelnen:

Bobath-Konzept
Es handelt sich um ein ganzheitliches Therapiekonzept zur Behandlung aller zentralneurologischen Läsionen. Der Patient soll dabei aktiv einen funktionellen Bewegungsablauf wieder erlernen bzw. so mit seinen Defiziten umzugehen lernen, dass er möglichst ökonomisch und selbständig die Aufgaben des täglichen Lebens bewältigen kann. Die Übungssequenzen haben einen Bezug zu funktionellen Alltagssituationen. Der Patient handelt dabei vorwiegend aktiv, aufgabenbezogen und problemlösend.
Die Voraussetzungen zum Wiedererlernen von normalen Bewegungen sind zum einen ein möglichst normaler Muskeltonus, eine ausreichende Dehnfähigkeit der Muskulatur sowie die Fähigkeit, Gelenke bzw. Körperabschnitte in eine biomechanisch optimale Position zu bringen, zum anderen die Möglichkeit zur differenzierten Aufnahme und Verarbeitung sensorischer Reize.
Funktionell wird vor allem an Lagewechseln, Transfers, Körperkontrolle im Sitzen und Stehen sowie am Gehen gearbeitet.

Vojta-Therapie
Die Vojta-Therapie ist bei Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen und orthopädischen Fehlhaltungen eine etablierte Therapiemethode, um normale Bewegungsmuster zu aktivieren. Mit dieser Metzode wird ein Zugang auf das genetisch festgelegte Bewegungsprogramm angestrebt, so dass anstelle von pathologischem Bewegungsverhalten und Körperfehlhaltung wieder ein richtiges Zusammenspiel der einzelnen Muskeln entsteht.
In definierten Ausgangsstellungen werden über bestimmte Zonen dreidimensionale Druckimpulse gesetzt. Dadurch werden reflektorische Muskelaktivitäten im Sinne einer Reflexlokomotion (Lokomotion=Fortbewegung) erzeugt. Gleichzeitig werden auch positive Einflüsse auf Durchblutung, Verdauung, Atmung und Vitalkapazität erreicht. Das Ziel ist ein verbessertes Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen, was in einer verbesserten Spontanmotorik zum Ausdruck kommt.

PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
Durch Stimulierung von Propriozeptoren (Rezeptoren der Tiefensensibilität) wird das System von Nerven und Muskulatur so aktiviert, dass Bewegungen angebahnt bzw. unterstützt werden.
Durch aktive Arbeit mit einem Körperteil werden Aktivitäten im ganzen Bewegungsapparat erzeugt. Dadurch können auch fern des bewegten Körperteils Aktivitäten reaktiv stimuliert werden.
Taktile, visuelle und verbale Stimulation, Setzen des optimalen Widerstandes, Gelenkstimulation über Zug und Druck sowie Anwendung von Muskelstretch unterstützen dabei die Effektivität.

Mobilisation des Nervensystems
Die Neurodynamik ist ein Grundlagenkonzept zur Schmerzbehandlung und Tonusregulation. Sie erfolgt durch dynamische Bewegungen, die einen mechanischen und physiologischen Einfluss auf das neurale Gewebe und die umliegenden Strukturen haben. Dieses Konzept wird nach Verletzungen des zentralen und/oder peripheren Nervensystems sowie nach lang andauernder Immobilisation eingesetzt.
Ziel ist die Verbesserung bzw. das Erhalten der Mobilität des Nervengewebes. Dabei kommt es zur Schmerzreduzierung, Innervationsverbesserung und einem positiven Einfluss auf Kraft und Koordination. Spastischer Hypertonus kann reguliert oder verhindert werden.

Manuelle Therapie
Die Manuelle Therapie umfasst die nichtapparativen, diagnostischen und therapeutischen Techniken an der Wirbelsäule, den Extremitäten und dem Kiefergelenk. In der Neurologischen Klinik werden die manualtherapeutischen Konzepte nach Maitland, Kaltenborn und Cyriax angewendet. Die Relevanz der Manuellen Therapie für neurologische Krankheitsbilder ergibt sich aus der strukturellen Nähe von Wirbelsäule und Nervensystem sowie der Notwendigkeit einer freien Gelenkbeweglichkeit. Nur wenn alle Strukturen, somit auch die knöchernen, im richtigen Alignment (=Position) zueinander stehen, können physiologische Muskelfunktionen angebahnt werden.

Laufbandtherapie
Durch die Möglichkeit der variablen Körpergewichtsentlastung durch ein Gurt- und Aufhängesystem können Patienten auf dem Laufband bereits in einem sehr frühen Stadium der Rehabilitation mit dem Gehtraining beginnen. Das neuronale Programm des Gehens wird dadurch frühzeitig funktionell aktiviert und geschult. Die für das Gehen notwendige Muskulatur wird entsprechend ihrer aktuellen Funktionsmöglichkeit, dosiert durch die Gewichtsentlastung, trainiert. Durch allmählichen Abbau der Gewichtsentlastung wird die körpertragende Muskulatur an die Bedingungen des vollen Schwerkrafteinflusses stufenweise herangeführt.
Die Parameter Gehtempo, Gewichtsentlastung, Gehstrecke können auf dem Laufband variiert und an die Erfordernisse und Möglichkeiten des Patienten individuell angepasst werden. Veröffentlichte Studien weisen auf die Wirksamkeit der Laufbandtherapie für das Erreichen der Gehfähigkeit hin. Diese Erkenntnisse bestätigen sich in der täglichen Arbeit mit Patienten auf dem Laufband.

Medizinische Trainingstherapie
Das Üben an medizinischen Trainingsgeräten dient der Behandlung von Muskelschwächen, Muskeldysbalancen und motorischen Paresen. Zusätzlich sind das Schulen der allgemeinen Ausdauer, der Kraftausdauer sowie das Anregen des Fettstoffwechsels möglich.
Unter Anleitung und Kontrolle von Physiotherapeuten wird ein individuelles Muskelaufbautrainings- bzw. Kraftaufbautrainingsprogramm erstellt und an speziellen Trainingsgeräten durchgeführt.

Gipstherapie
Bevor Kontrakturen zu bleibenden Gelenkschäden und Einschränkungen der Beweglichkeit als Sekundäreffekte von zentralen Läsion führen, ist häufig eine Redressionsgipstherapie angezeigt.
Dabei wird das betroffene Gelenk bei bestmöglicher Dehnstellung zirkulär mit einem Hartcast-Verband ruhiggestellt. Nach einigen Tagen wird der Gips entfernt, ein weiterer Gips wird in verbesserter Dehnstellung angelegt. Ist das Ziel der verbesserten Gelenkstellung erreicht, erfolgt die Entwöhnung durch Lagerungsschienen. Ein allmähliche Reduzierung der zeitlichen Dauer der Tragezeit sorgt für die Sicherung der zugewonnenen Gelenkbeweglichkeit.

Wahrnehmungskonzept nach H. Sonderegger
Beim wahrnehmungsbetroffenen Patienten beeinträchtigt der Mangel an gespürter Information die Interaktion mit der Umwelt. So können trotz vorhandener motorischer Aktivität einfache Handlungsabläufe nicht durchgeführt werden. Einzelne Handlungsschritte zu planen, verlässliche Informationen, die für komplexe Handlungen nötig sind, zu filtern und entsprechend ihrer Bedeutung für die Situation zu werten, kann in vielen Fällen nicht spontan umgesetzt werden.
In der Therapiesituation führt der Therapeut während einer Handlung den Patienten in einem Wechsel von Bewegen und Spüren. Durch die Möglichkeit der Informationsaufnahme wird der Patient an die selbständige Lösung des Problems herangeführt. Das Einbeziehen von vertrauten Gegenständen und Alltagssituationen fördert die Motivation des Patienten, sich auf die konkrete Situation einzulassen. Die Hilfsstrategien werden allmählich abgebaut, und der Patient lernt seine Umgebung selbst zu "begreifen".

Schwindeltraining
Aufgrund unterschiedlicher Symptomatik können Schwindelformen einer Klassifizierung zugeordnet werden. Entsprechend der Schwindelart wird beim Schwindeltraining gezielt eine tägliche Steigerung der Toleranzgrenze trainiert. Dies wird z. B. durch das Üben von schnellen Lagewechseln und/oder schnellen Bewegungsabläufen erreicht. Die Zuhilfenahme optischer Fixierungspunkte für das visuelle System ist dabei häufig eine Unterstützung. Dabei wird die periphere Erholung der Labyrinthfunktion ebenso angestrebt wie ein Ersatz des Funktionsausfalls durch das kontralaterale System. Gleichgewichtsschulung und Entspannungstherapie sind wichtige ergänzende Bestandteile des Schwindeltrainings.

FBL (Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach)
Die FBL befasst sich mit Bewegungs- und Haltungsanalysen und beinhaltet Behandlungstechniken und spezifische therapeutische Übungen. Bei den Behandlungstechniken handelt es sich vorwiegend um Mobilisationstechniken, wie z. B. mobilisierende Massage, die hubfreie bzw. hubarme Mobilisation der Wirbelsäule sowie die widerlagernde Mobilisation der Gelenke. Die therapeutischen Übungen werden mit und ohne Pezziball ausgeführt und wurden für die spezifische Behandlung funktioneller Probleme ausgearbeitet. Ziele sind z. B. die dynamische Stabilisation von Rumpf und Extremitäten, Mobilisation von Gelenken und Bindegewebe sowie Kräftigung der Muskulatur, Schulung von Gleichgewichtsreaktionen und Koordination.

Einzeltherapie im Bewegungbad
Die Halliwick-Methode nach McMillan bildet die Grundlage der Therapie im Bewegungsbad. Sie führt Gesunde wie Behinderte zur selbständigen Fortbewegung im Wasser. Mit Hilfe des Wassers sollen sich die Patienten von Hilfsmitteln lösen und eine bestmögliche Selbständigkeit und Bewegungsfähigkeit erfahren. Am Anfang steht immer die Wassergewöhnung. Erst wenn diese vollzogen ist, Ängste genommen sind, kann die Gleichgewichtslage im Wasser erreicht werden. Danach wird die Fortbewegung im Wasser erfahren und erarbeitet.

Hilfsmittelversorgung
Zeichnet sich während des Klinikaufenthaltes ab, dass sich Funktionsdefizite manifestieren, ist häufig der Einsatz von Hilfsmitteln sinnvoll: Schultermanschetten korrigieren das Schultergelenk in eine annähernd physiologische Stellung. Unterschenkelhülsenapparate und dynamische Knöchelschienen unterstützen die aktive Funktion der Fußheber und sorgen zusätzlich für Stabilität des Sprunggelenkes. Orthesen bieten gerade in der Frühphase der Rehabilitation einen Schutz für Gelenke zur Verhinderung von Sekundärschäden. Dies ist die Voraussetzung für die Anbahnung von aktiven Körperfunktionen. Hilfsmittel wie Gehstöcke und Rollatoren können zur selbständigen Gehfähigkeit führen. Individuell angepasste Rollstühle unterstützen auch bei einer Gehunfähigkeit aktive Körperfunktionen und ermöglichen eine gute Sitzposition.

Symptomorientierte Gruppentherapie
Das Festigen und Umsetzen der motorischen Fähigkeiten in Verbindung mit gruppendynamischen Effekten steht bei der Gruppentherapie im Vordergrund. Für individuelle Zielsetzungen werden unterschiedliche Gruppen in verschiedenen Anforderungsstufen angeboten, u.a.:
Nordic Walking, Gleichgewichtstraining, Funktionstraining, Rückenschule, Sporttherapie, Eigentraining, Stretching.

Gruppentherapie im Bewegungsbad
Die Gruppentherapien im Wasser werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten angeboten wie u.a.:
Rückentraining, Sporttherapie, Koordinationstraining, Schwimmunterricht.

Medizinische Trainingstherapie (MTT) in der Gruppe
Das Arbeiten an medizinischen Trainingsgeräten dient der Behandlung von Muskelschwächen, Muskeldysbalancen und motorischen Paresen. Zusätzlich sind das Schulen der allgemeinen Ausdauer, der Kraftausdauer sowie das Anregen des Fettstoffwechsels möglich.
Das in der Einzeltherapie erarbeitete individuelle Muskelaufbautrainings- bzw. Kraftaufbautrainingsprogramm wird in der Gruppentherapie unter Anleitung eines Physiotherapeuten eigenständig weitergeführt.