
Fast-Track-Konzept und postoperative Versorgung in unseren Aufwachräumen
Unmittelbare postoperative Betreuung von Patienten in einem speziellen Aufwachraum:
Hier werden unsere Patienten unmittelbar nach Beendigung der Operation zeitlich befristet von qualifiziertem Personal überwacht und die individuelle Schmerztherapie fortgesetzt. Jederzeit steht für den Aufwachraum ein Facharzt für Anästhesie zur Verfügung.
Traditionell wurden Patienten nach Eingriffen am Herzen viele Stunden nachbeatmet. Die Einführung der minimal-invasiven Technik für Eingriffe an den Herzklappen und die Verfeinerung der "off pump"-Technik zur Versorgung der Herzkranzgefäße ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine (Off Pump Coronary Artery Bypass = OPCAB) erlauben heute ein schonendes chirurgisches Vorgehen.
Eine längere Nachbeatmung der Patienten ist vor diesem Hintergrund nicht zwangsläufig erforderlich. Mit dem klinischen Konzept des Fast-Track-Protokolles und der Einrichtung eines Aufwachraumes kann die Behandlung der Patienten in mehreren Schritten individualisiert werden
Nun sind wir in der Lage, alle unsere Patienten, die dafür geeignet sind, nach diesem Fast-Track-Konzept zu behandeln, in der Regel bereits 1-2 Stunden nach der Operation vom Beatmungsgerät zu entwöhnen und frühzeitig, meist ohne Aufenthalt auf der Intensivstation, am ersten oder zweiten Tag nach der Operation auf die Normalstation zu verlegen.
Dort können die Patienten ihren normalen Dingen des täglichen Lebens, wie Essen, Trinken, Toilettengang, Telefonieren, Fernsehen usw. weitgehend selbständig nachgehen.
Die Behandlungssicherheit dieses Vorgehens und die Vorteile für die Patienten konnten in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen in unserer Klinik nachgewiesen werden.
Eigenblutspende
Informationen zur Eigenblutspende:
Eigenblutspende ist eine Form der Blutspende, bei welcher der Patient sein Blut für eine spätere Übertragung auf ihn selbst spendet.
Fragen zur Eigenblutspende:
Bin ich für Eine Eigenblutspende geeignet?
Ob Sie für eine Eigenblutspende geeignet sind, entscheidet im Vorfeld unser transfusionsbeauftragter Oberarzt.
Welche Gründe sprechen gegen eine Eigenblutspende?
Störungen der Blutbildung, Erkrankungen des Blutes, Ausgeprägt niedriger oder hoher Blutdruck, Schwere Lungenerkrankungen, Herzinfarkt (<6 Monate), Terminale Niereninsuffizienz, Anfallsleiden Schwangerschaft, bakterielle oder virale Infektionen mit oder ohne Fieber, akute oder chronische Lebererkrankungen, schwerste Klappenerkrankungen.
Wann und wie oft muss ich spenden?
Wir führen maximal 2 Eigenblutentnahmen im Zeitraum von 3-4 Wochen vor dem Operationstermin durch. Es werden pro Spende ca. 500 ml entnommen.
Wie bekomme ich einen Termin?
Telefonisch können Sie unter der Nummer 0341-865-1439 im Sekretariat der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin II den ersten Termin vereinbaren.
Sie bekommen dann per Post einen detaillierten Aufklärungsbogen zugeschickt, den Sie bitte ausgefüllt zur ersten Spende mitbringen. Den zweiten Spendetermin vereinbaren Sie am Tag der Erstspende.
Was muss ich vor / nach der Blutspende beachten?
Essen Sie ganz normal und nehmen Sie 1-2 Tage vorher viel Flüssigkeit zu sich. Ca. eine Woche vor der Spende sollten Sie ein Eisenpräparat einnehmen, das Ihr Hausarzt Ihnen verschreiben kann.
Bitte bringen Sie eine Begleitperson mit. Mit ihr können Sie nach einer kurzen Ruhezeit die Klinik verlassen. Zudem dürfen Sie nach der Eigenblutspende keinen PKW selbst führen.
Was passiert mit meinem Blut, wenn es bei der Operation nicht benötigt wird?
Eigenblut darf nach geltendem Recht keinem anderen Empfänger zur Verfügung gestellt werden und wird somit entsorgt.
Postoperative Schmerztherapie
Die Vermeidung und Behandlung postoperativer Schmerzen ist uns ein besonders Anliegen. Mit den uns im Herzzentrum zur Verfügung stehenden Methoden können die Schmerzen auch nach Operationen am Herzen mit Eröffnung des Brutkorbs auf ein Minimum reduziert werden.
Der Anästhesist wird im Rahmen des Narkosegespräches, spätestens am Vortag der Operation, auf die unterschiedlichen Möglichkeiten eingehen und Ihnen ein entsprechend Ihres operativen Eingriffes abgestimmtes Stufenschema vorstellen. Dieses wird an die zu erwartenden Schmerzen angepasst und schon im Operationssaal, vor Ihrem Wachwerden begonnen.
Bei ausgewählten Operationen kann die Injektion eines starken, langwirksamen Schmerzmittels schon vor der Operation in den Rückenmarkskanal erfolgen (Spinalanalgesie).
Bei allen Patienten, welche sehr schnell wieder wach werden können, wird die Therapie im Aufwachraum mit einer PCA-Pumpe (patient controlled analgesia) begonnen und auf Ihren persönlichen Bedarf eingestellt. Diese Spritzenpumpe ist mit einem sehr starken Schmerzmittel befüllt. So können sich die Patienten aus der Pumpe einzelne Dosen selbständig abfordern, wenn sie Schmerzen haben, ohne das medizinische Personal fragen zu müssen. Die Pumpe verfügt gleichzeitig über eine Sicherheitsmechanik, die individuell programmiert wird, um Schmerzfreiheit zu erzielen, Überdosierungen jedoch ausschließt. Im Jahr 2009 wurden insgesamt 841 Patienten mit dieser Form der patientenkontrollierten Schmerztherapie behandelt.
Zusätzlich zu diesen in das Blutsystem gegebenen Medikamenten erhalten Sie Schmerztabletten, sobald Sie wieder Nahrung zu sich nehmen können.
Um zu gewährleisten, dass Sie so wenig wie möglich Schmerzen erleiden müssen, werden Sie die Schwestern auf den jeweiligen Stationen mehrmals am Tag nach der Höhe Ihrer Schmerzen befragen und wenn es nötig ist, unseren Schmerzdienst informieren. Dieser wird dann die Therapie Ihrer Situation entsprechend anpassen.
Perioperative Echokardiographie
Der Herzultraschall (Echokardiographie) stellt ein zentrales Diagnose- und Monitoringinstrument während herzchirurgischer Eingriffe dar. Dabei wird die transösophageale Echokardiographie vom betreuenden Anästhesieteam während der Operation (Schluckecho) über eine unter Narkose in die Speiseröhre eingelegte Ultraschallsonde durchgeführt.
Aufgrund der hohen Auflösung nimmt die transösophageale Echokardiographie unmittelbar vor Operationsbeginn eine wichtige Rolle bei der chirurgischen Planung des durchzuführenden Eingriffes ein, sie erlaubt noch im Operationssaal die unmittelbare Erfolgskontrolle des rekonstruktiven Eingriffes am Ende der Herz-Lungen-Maschine.
Die Echokardiographie hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erlebt, Bildgebung und – darstellung sind nun in Echt-Zeit dreidimensional möglich (3D-TEE), und die Funktionsdiagnostik der Pumpleistung des Herzen mittels moderner Analyseverfahren wie „Speckle Tracking“ erlauben eine genaue Quantifizierung der globalen Herzleistung bzw. Rückschlüsse auf die Koronarperfusion und die Funktion abhängiger Myokardbezirke.
Aufgrund des modernen Geräte-Standards und der hohen echokardiographischen Qualifikation innerhalb der Abteilung für Anästhesiologie sind wir in der Lage, das gesamte Spektrum der echokardiographieschen Bildgebungs- und Funktionsdiagnostik sowohl für herzchirurgische Eingriffe beim erwachsenen Patienten als auch in der Kinderherzchirurgie anzubieten.
Um die nötige echokardiographische Kompetenz im perioperativen Bereich garantieren zu können, ist die Abteilung führend in der Erarbeitung und Umsetzung von Untersuchungsstandards, nimmt Aus- und Weiterbildung einen hohen Stellenwert ein, und es wird - durch internationale und nationale Fachgesellschaften für transösophageale Echokardiographie zertifiziertes Personal eingesetzt. Die Abteilung ist als zertifizierte Ausbildungsstätte der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) auf diesem Gebiet bereits seit Jahren erfolgreich und wegweisend tätig.
Insgesamt werden an der Abteilung pro Jahr mehr als 4400 Untersuchungen durchgeführt, davon etwa 200 Untersuchungen im Rahmen von kinderherzchirurgischen Eingriffen.
Kinder-Kardioanästhesie
Kinder mit kongenitalen Herzfehlern konfrontieren den Anästhesisten mit einem breiten Spektrum anatomischer und pathophysiologischer Besonderheiten, die sich erheblich von der Situation erwachsener Herzpatienten unterscheiden. Bei Korrektur-Operationen komplexer Vitien im Neugeborenenalter (z.B.: hypoplastisches Linksherz-Syndrom, Transposition der großen Arterien) müssen sich intraoperatives Monitoring und Narkoseführung an der stark variierenden Ausgangssituation der kleinen Patienten orientieren. Spezielle theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen des verantwortlichen Anästhesisten schaffen die Grundlage für kompetente Kommunikation und Kooperation innerhalb des „Kinder-Teams“.
Im Jahr 2009 führte dieses spezialisierte Team über 300 Operationen bei Kindern mit Vitien aller Komplexitätsgrade inklusive des Einsatzes extrakorporaler Unterstützungs-Systeme durch. Mehr als die Hälfte der Eingriffe erfolgte bei Neugeborenen und Säuglingen.
Eine wachsende Zahl von Kindern und Heranwachsenden muss sich nach der Primär-Korrektur zu einem späteren Zeitpunkt einem oder mehreren Folgeeingriffen unterziehen (z. B. zum Austausch von nicht „mitwachsenden“ Klappen- und Gefäß-Prothesen). Die Erfahrung des Kinder-Teams gewährleistet Kontinuität und Qualität in der Behandlung dieser speziellen Patientengruppe.
Patienten aller Altersgruppen profitieren davon, dass das invasive Monitoring der Hämodynamik durch die intraoperative transösophageale Echountersuchung (bei Patienten über 3kg) erweitert wird. Durch diese bildgebenden Verfahren gewinnen Chirurg und Anästhesist wertvolle Informationen über Anatomie und Funktion des Herzens und können ihr Vorgehen optimal aufeinander abstimmen.