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Geschichte der Klinik

Das Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Hildburghausen betreut die Bevölkerung Südthüringens seit mehr als 135 Jahren.

Die Geschichte der Psychiatrie reicht in Hildburghausen darüber hinaus bis ins Jahr 1831, als Obermedizinalrat Dr. Carl Hohnbaum die Räume des bisherigen Zuchthauses als Irrenanstalt nutzen konnte.

Hohnbaum hatte sich als Leiter der Irrenanstalt ganz besonders den psychisch Kranken und deren Krankheiten zugewandt und bereits 1828 der damaligen Landesregierung in Meiningen seinen 14-seitigen Entwurf "Vorschläge zur Errichtung einer Irrenanstalt" übermittelt.

Nach den Vorbereitungsarbeiten von Hohnbaum wurde - 11 Jahre nach seinem Tode - nach 4-jähriger Bauzeit im Juni 1866 die Landesklinik als "Herzoglich-Sachsen-Meiningsche-Landes-Irrenheil- und Pflegeanstalt" mit ca. 100 Bettplätzen beiderlei Geschlechts auf dem heutigen Gelände des Fachkrankenhauses an der Eisfelder Straße eröffnet.

Neben dem imposanten Haupthaus existierte ein sogenanntes Ökonomiegebäude. Das Haupthaus wurde in typischer Weise im sogenannten Blockbausystem der alten Anstalten angelegt.

Die hohe Inanspruchnahme der Einrichtung, nicht nur durch die Bevölkerung des Herzogtums Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, sondern auch durch die Einwohner der angrenzenden Länder (Herzogtümer Sachsen-Coburg-Gotha und Schwarzburg-Rudolstadt), bildeten den Anlass zu erheblichen Erweiterungen noch in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Das geschah in einer zweiten Bauperiode Ende des vorigen Jahrhunderts und in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg.

Damals stand die Einrichtung wiederum mit Medizinalrat Dr. Paul Mayser unter der Leitung eines bedeutenden Vertreters des Fachgebietes.

Die Erweiterungen wurden in Form einer Vielzahl von Einzelhäusern (zwei- höchstens dreigeschossig) durchgeführt, die unregelmäßig verstreut, aufgelockert in einem weiträumigen Park angeordnet wurden (Pavillonsystem).

Die Einrichtung des Frauenhauses (jetzt Haus 2), der Herrenvilla (im 2. Weltkrieg völlig zerstört), des Frauenlandhauses (heute Haus 9) sowie der Ankauf der Karolinenburg (jetzt Haus 8) u. a. mehr erhöhten die Bettenkapazität auf 750 bis 800 Plätze. In dieser Zeit wurde auch eine Waschanstalt (heute Haus 1) errichtet sowie das ehemalige Jagdschlösschen Belvedere I (sog. Charlottenburg, später Kindergarten und Krippe) angekauft.

Diese Entwicklung setzte sich nach der Jahrhundertwende bis zum 1. Weltkrieg dem Zeitgeist folgend durch die Errichtung von Einzelbauwerken im Jugendstil, wie z. B. der Damenvilla (heute Haus 4), eines Frauenhauses (heute Haus 3), Belvedere II (heute Haus 7) und Belvedere III (heute Haus 6) fort.

Der zu klein gewordene "Fest- und Betsaal" im Hauptgebäude wurde durch die Errichtung eines Neubaues, der Georgenhalle, ersetzt.

Ein sogenanntes Lazarettgebäude für körperlich Kranke wurde auf der Anhöhe zwischen Zentralgebäude und Belvedere errichtet (heute Haus 5).

In dieser Zeit besonders reger Bautätigkeit wurden auch Wirtschaftsgebäude und technische Anlagen, wie Wäscherei, Kochküche, Trafohaus und Maschinenhaus, errichtet.

Rückschläge brachte der erste Weltkrieg infolge dürftiger Ernährung. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen erfolgten keine Maßnahmen, die der weiteren Profilierung des Fachkrankenhauses dienten. Die Zeit des Dritten Reiches und des zweiten Weltkrieges brachte die verheerende Ausgrenzung psychisch Kranker und geistig Behinderter bis hin zu deren Zwangssterilisierung und Tötung mit sich. Dazu kamen noch die Schäden infolge zweier Bombenangriffe im Frühjahr 1945 mit Zerstörung von Gebäuden. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis weit in die Nachkriegsjahre hin.

Anfang der 70er Jahre wurde die Verwaltungsbaracke gebaut. Von 1975 bis 1977 wurde anstelle des kriegszerstörten Westflügels ein dreigeschossiges Bauwerk in Großtafelweise erbaut und mit einem Verbinder an das Zentralgebäude angeschlossen. In dieser Zeit wurde auch eine Verkaufsstelle errichtet.

Durch die Zuordnung von Außenstellen in Friedrichsanfang (1951), in Schweickershausen (1971) und in Keulrod (1972) mit je ca. 50 Bettenplätzen erhöhte sich die Kapazität der Einrichtung auf etwa 950 Bettenplätze.

Aus der Notwendigkeit der Erweiterung der Infrastruktur im Versorgungsbereich resultierten Anbauten an der Wäscherei (1987) und an der Küche, Speisesaal (1990).

Im August 1992 erfolgte die Grundsteinlegung für ein neues Bettenhaus mit 170 Bettenplätzen. Diese Neubaumaßnahme sollte den beengten Raumverhältnissen des Krankenhauses Abhilfe schaffen und die nicht zu sanierenden menschenunwürdigen Unterbringungsverhältnisse in den Außenstellen und die Enge vieler Stationen im eigentlichen Klinikbereich beseitigen.

Im Dezember 1994 konnte der erste fertiggestellte Bauteil A/ E des neuen Klinikgebäudes zur Nutzung übergeben werden, Ende 1995 erfolgte nun die komplette Fertigstellung des Neubaues.

Seit 2004 besteht nun ein weiterer Neubau vor allem für die Neurologische Klinik und die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der neue Gebäudetrakt beinhaltet aber auch eine gut ausgestattete Tagesklinik und Ambulanz für die Psychiatrie, großzügige Gruppentherapieräume, Computerplätze für Patienten, Aufenthaltszonen, eine Cafeteria und Verkaufsstelle und eine Bibliothek.

In neuerer Zeit führten sozialpsychiatrische Denkansätze und Fortschritte in der medikamentösen Behandlung und Soziotherapie zu einer völligen Veränderung des psychiatrischen Krankenhauses. Man ist bemüht, den Kranken aus der Isolation einer Anstalt herauszunehmen bis hin zum sogenannten Open-DOOR-System, d. h. offene Türen, offene Stationen in einem psychiatrischen Krankenhaus. Den psychisch Kranken verbleibt damit ein größtmögliches Maß an Selbstbestimmung und Freiheit. Ihr krankheitsbedingter Aufenthalt auf der Station wird (z. B. auch durch gemischtgeschlechtliche Belegung) so gestaltet, dass es sich von den Bedingungen eines somatischen Krankenhauses nicht mehr wesentlich unterscheidet.